Die großen deutschen Autobauer schwächeln, wenn es um Elektroautos geht. Sie sind vor allem immer noch zu teuer. Wie es funktionieren kann, zeigt die Firma e.Go aus Aachen. Sie will im kommenden Jahr mit der Serienproduktion eines Stadtautos starten. Kostenpunkt: 16.000 Euro.

Beim Dieselgipfel im Bundesverkehrsministerium in Berlin geht es um die Zukunft der Dieselautos. Wenn sie denn noch eine haben. Denn die Zukunft gehört dem Elektroauto, sagen fast alle Experten. Ein Aachener Start up will beweisen, dass die Produktion von E-Autos auch kostengünstig hinzukriegen ist.

"Die Aachener haben Bock auf Elektroautos. Das haben die Großen noch nicht so richtig – sie verdienen nämlich noch zu viel Geld mit ihren Verbrenner-Kisten."
Jörg Brunsmann, Deutschlandfunk-Nova-Wirtschaftsexperte

Die Firma e.Go ist eine Ausgründung der renommierten RWTH Aachen. Daher hat sie auch den richtigen Mann an der Spitze, glaubt Jörg: Und zwar Günther Schuh, Professor an der RWTH. Schuh steckt auch hinter den Elektroautos der Post: kleinen Kastenwagen, die man inzwischen in vielen Städten sieht. Das Konzept waren so erfolgreich, dass die Post inzwischen Schuhs Firma Streetscooter aufgekauft hat und die Elektro-Lieferwagen jetzt selbst baut.

2018 in Serie

Mit der neuen Firma e.Go soll jetzt ein "richtiges Auto" gebaut werden. Seit zwei Monaten lässt sich das E-Stadtauto "e.GO Life" vorbestellen, nächstes Jahr soll die Serienproduktion starten. Zum Bau der Fabrik gab es rund 2,6 Millionen Euro Fördermittel vom Land NRW.

Der Wagen sieht ein bisschen so aus wie ein Smart, er hat zwei Sitzplätze und zwei Notplätze und seine Reichweite liegt bei bis zu 130 Kilometern. Am besten gefällt unserem Experten aber der Preis.

"Von den 16.000 Euro kannst du die Prämie vom Staat noch abziehen, momentan 4000 Euro. Also ein City-Flitzer für 12.000 Euro."
Jörg Brunsmann, Deutschlandfunk-Nova-Wirtschaftsexperte

Das ist ziemlich konkurrenzlos, sagt Jörg Brunsmann. In der gleichen Autoklasse kostet der Elektro-Smart knapp 22.000 Euro. Bei dem bekommt ihr immerhin 30 Kilometer mehr Reichweite. Eine Autoklasse höher wird’s dann richtig teuer: Den eGolf von VW gibt es momentan ab 36.000 Euro.

Teile von Drittfirmen

Die Aachener Firma setzt konsequent auf Teile von Drittfirmen. 

  • Die gesamte Antriebstechnik zum Beispiel kommt von Bosch – in Bosch-Werkstätten können E-Fahrer dann auch den Service und Reparaturen machen lassen
  • Außerdem werden im e.GO Life viele Standard-Bauteile wie Blinker oder Lichtschalter verbaut, die bei anderen Herstellern oder Zulieferern bereits fertig im Regal liegen und die man zum Teil auch schon in anderen Autos findet 
  • Auf diese Weise werden massiv Entwicklungskosten gespart: normal sind etwa 500 Millionen Euro für ein neues Modell – die Aachener sagen, sie sind aktuell bei 30 Millionen

Andere Relationen

Die geplante Anzahl an Modellen des e.GO Life liegt deutlich unter denen der großen Autohersteller.

"Pro Jahr sollen etwa 10.000 Autos gebaut werden. So viele laufen bei VW weltweit in einer 8-Stunden-Schicht vom Band."
Jörg Brunsmann, Deutschlandfunk-Nova-Wirtschaftsexperte

Das Elektroauto ist also schon ein Nischenprodukt. Und das wird es auch die nächsten Jahre noch bleiben, glaubt Jörg Brunsmann. Das größte Problem sind nach wie vor der Akku und die Ladetechnik.

Fünf Minuten tanken und dann 500 Kilometer fahren – so wie heute mit einem herkömmlichen Auto – das können Elektroautos vorerst nicht: Der e.Go Life fährt maximal gut 100 Stundenkilometer schnell und braucht fünfeinhalb Stunden zum Laden.

Nach- und Vorteile

Er hat allerdings den großen Vorteil, sagt Jörg, dass es direkt als Nischenprodukt konzipiert und für die Stadt ausgelegt ist. Wenn ihr aber einen eGolf von VW kauft, vergleicht ihr natürlich mit dem Benzin-Golf: Warum ist der Elektro-Golf so viel teurer? Und warum kann der weniger als das Standard-Benzinmodell?

Die Firma e.GO hat gute Voraussetzungen, um irgendwann VW, Daimler und Co. gefährlich zu werden, glaubt Jörg. Die Wirtschaftsgeschichte komme ihnen entgegen: 

"Ganz oft, wenn es einen Technologiewechsel gegeben hat, sind alte Firmen auf der Strecke geblieben – egal wie groß die vorher waren."
Jörg Brunsmann, Deutschlandfunk-Nova-Wirtschaftsexperte

Beispiel MP3: Die Plattenfirmen haben es verpennt, sich fürs Internet-Zeitalter fit zu machen. Die meisten haben Riesen-Probleme bekommen. Oder das Smartphone: Vor 10 Jahren – als das iPhone raus kam – war Nokia der weltgrößte Handy-Hersteller. Bei VW und Co. wird es länger dauern – alleine schon, weil wir nicht jedes Jahr ein neues Auto kaufen – aber das Prinzip ist genau das Gleiche.