Kollege krank, Kollegin im Urlaub und diese eine Aufgabe ist besonders wichtig: Im Job sagen wir oft Ja, obwohl wir Nein meinen. Wer ständig über eigene Grenzen geht, riskiert, frustriert zu sein oder auszubrennen. Dabei können wir Nein sagen, ohne andere vor den Kopf zu stoßen.

Nächstes Mal sage ich wirklich Nein. Und dann kommt das nächste Mal und wir sitzen schon wieder da und übernehmen die Aufgabe einer kranken Kollegin oder springen für einen Kollegen ein, der auch mal Urlaub machen will.

Klar, sagt Bastian Willenborg, Psychiater und Psychotherapeut. Es gibt Phasen, in denen wir mit anpacken und zusätzliche Aufgaben übernehmen. Schließlich wolle man Engagement zeigen – und oft sei der Job eben auch nicht nur ein Job.

Und genau da lohnt es sich hinzuschauen, sagt der Psychotherapeut.

"Für viele hängen an Arbeit Selbstwert, Zugehörigkeit und Anerkennung. Wenn dem so ist, fällt ein Nein deutlich schwieriger."
Bastian Willenborg, Psychotherapeut

Darüber hinaus lohnt es sich, die Phasen zu reflektieren, in denen es im Job stressig ist. Eine Phase kennzeichnet sich dadurch, dass sie auch ein Ende hat, erklärt der Psychotherapeut. Bleibt das Arbeitspensum dauerhaft hoch, lohnt es sich, Nein zu sagen, empfiehlt Bastian Willenborg. Anderenfalls steigt das Risiko für Burn-out, aber auch für Frust und Unzufriedenheit.

"Die Angst vor der negativen Reaktion ist nachvollziehbar. Ob sie berechtigt ist, würde ich infrage stellen."
Bastian Willenborg, Psychotherapeut

Viele Patient*innen, berichtet der Therapeut, haben jedoch Sorge davor, wie der Chef oder die Chefin reagiert, wenn wir nicht bereit sind, zusätzliche Aufgaben zu übernehmen. Oft gebe es in Teams unausgesprochene Regeln darüber, ob Überstunden übernommen werden oder wir pünktlich nach Hause gehen.

Wie sagen wir am besten Nein?

Es kommt vor allem darauf an, wie wir Nein sagen, erklärt der Therapeut.

"Setzen wir eine harte Grenze und sagen nur Nein, das mache ich jetzt nicht, kann das trotzig wirken."
Bastian Willenborg, Psychotherapeut

Der Therapeut empfiehlt im ersten Schritt zu signalisieren, dass wir die Dringlichkeit der Aufgabe sehen. So fühle sich das Gegenüber, das uns die Aufgabe geben will, gesehen. Im zweiten Schritt gehe es darum, auf unsere begrenzten Kapazitäten hinzuweisen, damit – im besten Fall – Aufgaben priorisiert werden können.

Bastian Willenborg nennt folgendes Beispiel für eine Antwort: Ich kann das heute nicht zusätzlich zu meinen anderen Aufgaben machen. Sagen Sie mir, ob ich die Aufgabe A fertig machen oder Aufgabe B neu aufnehmen soll. Was hat Priorität?

"Wir können sagen: Das kann ich gerne übernehmen, allerdings nicht bis morgen. Realistischer wäre bis zum Ende der Woche."
Bastian Willenborg, Psychotherapeut

Insgesamt gehe es also darum, nicht die Verantwortung für alle Aufgaben zu übernehmen, sondern den Chef oder die Chefin mit einzubinden – schließlich ist das sein oder ihr Job. Für die Verbindung zu Chefin oder Kolleginnen sei es aber auch sinnvoll, ihnen etwas anzubieten, statt sie mit einem Nein stehen zu lassen.

Shownotes
Abgrenzung im Job
Nein sagen, bevor wir ausbrennen
vom 27. September 2026