In ganz Deutschland stehen für Abiturienten gerade Prüfungen an. Noch wenige Wochen, dann ist es vorbei. Und an vielen Schulen ist es inzwischen üblich, dass die Stufe nach den Prüfungen zusammen wegfährt und feiert – Spanien, Bulgarien oder Kroatien sind beliebte Ziele. Und die erreichen die Abiturienten natürlich mit dem Flugzeug. Wie passt das zusammen mit den Fridays-for-Future-Demonstrationen? Ilka Knigge hat nachgefragt, ob inzwischen ein Umdenken stattfindet.

Ilka hat Stimmen von Demonstrantinnen und Demonstranten aus Dortmund gelesen, die sich dafür entschieden haben, eine Busreise nach England zu unternehmen – anstatt zu fliegen. Und sie hat mit Luisa Höwelhans aus Schwege bei Osnabrück gesprochen. Luisa hat mit anderen aus ihrer Stufe eine Reise nach Bulgarien geplant und sagt, die Auswirkungen der Flüge auf das Klima waren bei der Reiseplanung kein Thema.

"Ich glaube, wenn man Menschen aus unserer Stufe direkt darauf ansprechen würde, dann würden die sich auch Gedanken machen. Aber an der Stelle hat sich niemand von selbst darüber Gedanken gemacht."
Luisa Höwelhans, Abiturientin

Allgemeine Zahlen, die einen Trend bestätigen würden, gibt es nicht. Unsere Reporterin Ilka hat mit einem großen Veranstalter für Abireisen gesprochen. Der sagte, dass das Unternehmen keine Unterschiede zu den Buchungen der vergangenen Jahre feststellen könne. Bei diesem Veranstalter gebe es jedoch generell mehr Bus- als Flugreisen im Programm, sagt Ilka.

Auch, wenn es noch keine messbaren Ergebnisse gibt: Der Klimawandel und die Konsequenzen für Schulreisen und Ausflüge werden längst diskutiert. Das berichtet auch Luisa Höwelhans. An ihrer Schule werde derzeit über die Reisen in den Leistungskursen nachgedacht. Einige Lehrer sind der Meinung, dass die Kurse in der Oberstufe nur noch in Nachbarländer von Deutschland reisen und dann mit dem Bus fahren sollten.

Die Flugzahlen sind 2018 leicht gestiegen

Ilka Knigge hat sich auch nach allgemeinen Flugzahlen in Deutschland erkundigt. Sie wollte wissen, ob sich die Diskussionen über den Klimawandel dort bemerkbar machen. Aber auch hier: Fehlanzeige. Die Zahlen sagen eher das Gegenteil: 2018 sind von Deutschland aus mehr Flüge gestartet als im Vorjahr. Rund 244 Millionen Passagiere sind von deutschen Flughäfen aus losgeflogen – 4 Prozent mehr als 2017. Bei innereuropäischen Verbindungen gab es sogar noch stärkeren Zuwachs: rund 6 Prozent mehr Fluggäste als 2017.

An den Zahlen der Fluggäste an deutschen Flughäfen zeigt sich also nichts, was sich als "Greta-Thunberg-Effekt" bezeichnen ließe. Wenn wir allerdings nach Schweden blicken, gibt es dort seit einiger Zeit einen neuen Begriff: Flugscham. Menschen schämen sich, anderen davon zu erzählen, dass sie das Flugzeug genommen haben. Die Ethnologin Ida Hylt sagt dazu: "Neue Worte repräsentieren auch immer den gegenwärtigen Zeitgeist. Flugscham erzeugt einen emotionalen Druck und macht die Klimafrage zu einer persönlichen. Schaut man auf Untersuchungen der Fluggesellschaften, dann sieht man allerdings, dass die Leute weiter fliegen – nur jetzt eben mit schlechtem Gewissen."

"Die Fridays for Future Demos gibt es ja erst seit Mitte letzten Jahres und die Flugzahlen für dieses Jahr kommen erst Ende des Jahres. "
Ilka Knigge, Deutschlandfunk Nova

Ilka Knigge vermutet, dass es vielleicht noch etwas Zeit braucht, bis die vielen Diskussionen übers Klima, die Fridays-for-Future-Demos und unser schlechtes Gewissen uns dazu bringen, wirklich etwas zu verändern, sodass es sich auch in Zahlen ausdrücken lässt.