Nicht jedes Tier ist mit einem Waffensystem gegen Fressfeinde ausgerüstet. Warum also nicht bei denjenigen klauen, die es besser getroffen haben?

Sie ist eine Schönheit des Mittelmeers – die Violette Fadenschnecke, aber ziemlich wehrlos. Sie ist nackt, weil sie im Laufe der Evolution ihr Gehäuse verloren hat und damit ziemlich schutzlos Fressfeinden ausgeliefert. Die Schnecke ist aber nicht blöd und bedient sich bei den Seeanemonen. Diese primitiven Tiere gehören zu den Nesseltieren. Ihr Vorteil: Sie besitzen Nesselzellen, die bei Berührung einen Nesselschlauch ausschleudern, mit dem sie das Gift in ihr Opfer injizieren.

Damit die Violette Fadenschnecke nicht selbst durch das Gift geschädigt wird, schleimt sie die Seeanemone ein, bevor sie sie frisst. Somit explodieren die Nesselzellen nicht und können ihr Gift nicht verbreiten. Stattdessen wandern sie geschützt in den Verdauungstrakt der Violetten Fadenschnecke. Über spezielle Darmausstülpungen platziert sie die Nesselzellen am Hinterleib. Fressfeinde, die jetzt die Violette Fadenschnecke verspeisen wollen, erleiden schwere Vernesselungen beim Zupacken.

Giftlieferanten

Andere Tiere besorgen sich ihr Abwehrsystem bei Pflanzen wie beispielsweise die Blattkäferlarven. Pflanzen schützen sich vor gefräßigen Tieren, indem sie Giftstoffe in Blätter oder Triebe einlagern. Die Blattkäferlarven sind in der Lage, diese Toxine wie Buttersäureester oder Salicylaldehyd unbeschadet aufzunehmen und in ihrem eigenen Körper einzulagern. Über spezielle Hautdrüsen geben sie das Gift ab, sobald sich Feinde nähern.

Südamerikanische Pfeilgiftfrösche dagegen fressen giftige Beutetiere wie Ameisen oder Tausendfüssler und akkumulieren deren Gift in ihrem Körper. Bekommen die Frösche zum Beispiel in Gefangenschaft diese Beutetiere nicht zu fressen, verlieren sie innerhalb kurzer Zeit ihre Giftigkeit.

Der Blauringoktopus verdankt seine Giftigkeit bestimmten Bakterien, die sich in seiner Speicheldrüse aufhalten und dort Maculotoxine produzieren. Dadurch wird der Biss des Oktopus giftig. Diese Symbiose von Oktopus und Bakterien vererbt der Blauringoktopus an seine Nachfahren.

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