Coda, eine kleine Independent-Tragikomödie, die bei Apple TV läuft, ist bei den 94. Oscars zum besten Film gekürt worden. Als erst dritte Frau überhaupt wurde Jane Campion als beste Regisseurin ausgezeichnet. Hauptthema war aber Will Smith – weniger wegen seines Oscars als bester Hauptdarsteller, sondern wegen einer Ohrfeige, die er Chris Rock auf offener Bühne verpasste.

Rein showtechnisch bot die 94. Oscarnacht so einiges. Fangen wir mit dem größten Aufreger an – für Deutschlandfunk-Nova-Filmfrau Anna Wollner war es "einer der größten Skandale der Oscargeschichte".

"Für mich war das einer der größten Skandale der Oscargeschichte. Die Stimmung im Saal war kaputt."
Anna Wollner, Deutschlandfunk-Nova-Filmexpertin

Aber der Reihe nach: Der Schauspieler, Komiker und Regisseur Chris Rock hatte einen Gag gemacht, der nicht zündete. Das Problem: Der Gag beschäftigte sich mit Jada Pinkett Smith, Will Smiths Ehefrau (beide zusammen oben im Bild). Rock hatte sich an Jada Pinkett Smith gewandt und gesagt: "G.I. Jane 2 - ich kann es nicht abwarten, das zu sehen." Das war eine Anspielung auf den Film "G.I. Jane" von 1997, in dem sich Demi Moore als Soldatin den Kopf rasierte. Jada Pinkett Smith leidet an Haarausfall und hatte das Ende 2021 bei Instagram auch öffentlich gemacht.

"Lass den Namen meiner Frau aus Deinem verdammten Mund!"

Nach dem misslungenen Witz verdrehte Jada Pinkett Smith die Augen. Ihrem Mann schien das nicht zu genügen: Will Smith lief auf die Bühne, gab Chris Rock eine saftige Ohrfeige und kehrte auf seinen Platz zurück. Dort war aber noch nicht Schluss: Zweimal rief er laut in Richtung Bühne: "Lass den Namen meiner Frau aus Deinem verdammten Mund!" Totenstille im Saal. Im amerikanischen Fernsehen war bei dieser Szene kurz der Ton weg.

Der sichtlich geschockte Moderator gab sich Mühe, weiterzumachen: "Das war die größte Nacht in der Geschichte des Fernsehens." Ob es sich um einen tatsächlichen Wutausbruch handelte oder um eine abgesprochene Szene, ist unklar. Tendenz, das zeigen divere Reaktionen am Tag danach: Die Aktion war nicht abgesprochen.

"That was the greatest night in the history of television."
Komiker Chris Rock nach der Ohrfeige von Will Smith

Nur 45 Minuten später bekam Will Smith den Oscar als bester Hauptdarsteller für "King Richard", die Filmbiografie über Richard Williams und dessen Töchter, die Tennisspielerinnen Venus und Serena Williams. Unter Tränen sagte er bei seiner kurzen Ansprache unter anderem, er wolle ein Botschafter der Liebe sein. Will Smith
entschuldigte sich zwar für die Szene kurz zuvor, jedoch nicht bei Chris Rock.

Coda ist der "Beste Film"

Im positiven Sinne wurde aber auch Oscar-Geschichte geschrieben: Drei Nominierungen und direkt auch drei goldene Statuen gab es für "Coda", einen kleinen Independentfilm über eine junge Frau mit gehörlosen Eltern, die Sängerin werden will. Bei uns läuft der Film bei Apple TV und ist bisher komplett untergegangen.

"Jane Campion wurde als beste Regisseurin ausgezeichnet, erst als dritte Frau in der Kategorie überhaupt."
Anna Wollner, Deutschlandfunk-Nova-Filmexpertin

Jane Campion wurde als beste Regisseurin ausgezeichnet, erst als dritte Frau überhaupt in dieser Kategorie. Kleiner Wermutstropfen: Mit zwölf Nominierungen war ihr Western "The Power of the Dog" als großer Favorit ins Rennen gegangen – gewonnen hat er letztendlich nur eine einzige Statue. Der Film handelt übrigens von toxischer Männlichkeit – Will Smith wird ihn sich wahrscheinlich eher nicht angeschaut haben, glaubt Anna Wollner.

Jessica Chastain gewann den Oscar als beste Hauptdarstellerin für "The Eyes Of Tammy Faye".

"Dune"-Oscars für Hans Zimmer und Gerd Nefzer

Auf dem Papier hat das Sciene-Fiction-Epos "Dune" mit sechs Oscars die meisten Trophäen abgeräumt, allerdings überwiegend in den technischen Kategorien - darunter unter anderem für die beste Filmmusik und die besten visuellen Effekte. Für zwei Deutsche, den Komponisten Hans Zimmer und den Effektexperten Gerd Nefzer, war es jeweils der zweite Oscar.

#Ukraine bei den Oscars

Beim Thema Ukraine-Krieg hat sich die Academy "definitiv nicht mit Ruhm bekleckert", resümiert Anna Wollner. Die eingeblendete Texttafel #standwithukraine sei viel zu schnell, quasi aus dem Nichts vor einer Werbeunterbrechung aufgetaucht. Man solle geben, was man geben könne, stand dort geschrieben, konkret: "Wir bitten Sie, die Ukraine auf jede erdenkliche Weise zu unterstützen."

Einige Filmstars seien mit Botschaften an ihrem Outfit zur Gala erschienen. Jason Momoa etwa habe zu Anzug und Fliege ein Einstecktuch in den Farben der ukrainischen Flagge getragen. Jamie Lee Curtis hatte am Finger eine blaue Schleife, auf der "With Refugees" steht. Und Francis Ford Coppola zeigt im 50-Jahre-Tribut von "Der Pate" am Ende ein "Viva Ukraine". Aber das sei es dann auch schon gewesen.

Sean Penn, der gerade für eine Doku über die Ukraine in Polen ist, hatte im Vorfeld zu einem Boykott der Gala aufgerufen. Er hatte getwittert, dass er – wenn der ukrainische Präsident Selenskyi nicht per Video zugeschaltet wird – seine beiden Oscars einschmelzen lässt. Selenskyi wurde nicht zugeschaltet.