Warnung auf Büchern oder Filmen

Warum Triggerwarnungen wenig bringen

Eigentlich sollen sie traumatisierte Personen schützen - sogenannte "Triggerwarnungen". Sie werden Büchern oder Filmen vorangestellt. Doch eine neue Studie sagt: Solche Warnungen wirken wie selbsterfüllende Prophezeiungen.

Vor allem an Universitäten in den USA haben Studierende immer wieder gefordert, dass Triggerwarnungen - etwa auf Büchern - auf verstörende Inhalte hinweisen: "Mrs. Dalloway" von Virginia Woolf könnten beispielsweise schmerzhafte Erinnerungen bei Lesern hervorrufen, die selbstmordgefährdet sind. Darum müsse eine Warnung vorangestellt werden. Auch bei "Der große Gatsby" von F. Scott Fitzgerald müsse man warnen - etwa vor unverhüllten Gewaltdarstellungen.

Die Studenten argumentieren, dass beim Leser alte Verletzungen wieder wachgerufen werden könnten oder neue hinzukommen, wenn sie etwa über stark sexualisierte Gewalt oder über Rassismus lesen. Und deswegen warnen einige amerikanische Dozenten ihre Studierenden vor bestimmten Werken oder stellen ihnen frei, sie zu lesen.

Unter einem "Trigger" versteht man in psychologischer Hinsicht einen Impuls, der etwa ein Trauma wiederbelebt. Für Menschen mit Posttraumatischen Belastungsstörungen sind solche Erfahrungen schmerzhaft - für Vergewaltigungsopfer beispielsweise.

Warnungen verstärken den Effekt

Neue Untersuchungen von Forschern der Harvard University mit Testpersonen legen nun nahe, dass Warnungen wie "Achtung, verstörende Inhalte können Angstzustände auslösen" bei einigen, wie eine selbsterfüllende Prophezeiung wirke: Die Leser wussten, dass sie sich beim Lesen möglicherweise gruseln - also hatten sie nach dem Lesen größere Angst, als sie vermutlich ohne den Warnhinweis gehabt hätten. Das meint auch der Psychologe Werner Hübner.

"Von solchen Warnungen halte ich gar nichts. Das schürt eine Erwartungsangst, dadurch wird das Gegenteil erzeugt."
Werner Hübner, Psychologe

In den USA sind Triggerwarnungen mittlerweile keine Seltenheit mehr. In Deutschland, sagt unsere Reporterin Magdalena Bienert, fristen die Triggerwarnungen aber eher ein Nischendasein.

Auseinandersetzung ist wichtig

Triggerwarnungen sollten jedenfalls nicht dazu führen, dass bestimmte Literatur gar nicht mehr gelesen oder aus dem Lehrplan verbannt wird, meint unsere Reporterin. Psychologe Werner Hübner empfiehlt, kritische Passagen etwa im Seminar, "im Schutz der Gruppe" lesen zu lassen. Es könne auch Einzelgespräche geben oder man könne im Zweifelsfall einen Uni-oder Schulpsychologen dazuziehen – all das sei besser, als einfach nur einen Warnhinweis aufzukleben.

"Die Debatten um rassistische oder brutale Texte sind natürlich trotzdem wichtig und sollten geführt werden."
Magdalena Bienert, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin