Der ADAC hat Fahrradwege in Deutschland auf ihre Breite und ihren Zustand getestet: Die meisten Städte haben dafür die Schulnote 4 erhalten.

Wie breit ein Radweg sein sollte, ist gesetzlich nicht vorgeschrieben. Die Empfehlungen für Radverkehrsanlagen (ERA) raten zu mindestens 1,60 Meter. Im Idealfall wären es zwei Meter oder mehr. Deutschlandweit trifft letzteres nur auf jeden fünften Radweg zu.

Nur in Kiel sind die Radwege breit genug

120 Routen haben die, im Auftrag des ADAC fahrenden, Tester mit dem Zollstock nachgemessen und sind dabei zu einem ernüchternden Ergebnis gekommen. Denn nur in der Stadt Kiel sind die Fahrwege breit genug.

"Also unsere Tester haben tatsächlich drei Kreuze gemacht, nachdem der Test rum war, weil die mit dem Fahrrad und dem Zollstab rumgefahren sind."
Johannes Boos, Pressesprecher vom ADAC

Besonders schlecht haben die Städte Mainz und Hannover bei der Erhebung abgeschnitten.

Radwege gelten als mangelhaft oder ungenügend

    • Mainz: 70 Prozent
    • Hannover: 60 Prozent

    Mit rechtlichen Konsequenzen müssen die Städte nicht rechnen. Der ADAC leitet aber die Ergebnisse der Untersuchung an die Kommunen weiter, damit diese selbst sehen können, wo etwas verbessert werden könnte.

    Falschparker, Scherben und Schilder auf Radwegen

    Viele Städte, in denen die Radwege untersucht wurden, haben die Schulnote 4 erhalten. Unter anderem Bremen, Dresden, Erfurt, München, Saarbrücken, Stuttgart und Wiesbaden. Das bedeutet, dass dort die meisten Radwege zu schmal sind. Nur ein paar sind breit genug und in einem guten Zustand.

    Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) sagt übrigens, dass Fahrradwege nicht nur oft zu schmal sind, sondern häufig auch andere Mängel aufweisen. Zum Beispiel parkende Autos auf dem Radstreifen, Scherben auf dem Boden und Schilder, die mitten auf einem Radweg stehen.

    Wenn sich Hindernisse auf dem Radweg befinden, ist man als Radfahrer übrigens nicht verpflichtet, auf dem Fahrradweg zu bleiben, wie viele von uns möglicherweise denken.

    "Es kommt nicht nur auf die Breite an, sondern auch auf die Sichtbeziehungen, auf die Durchgängigkeit der Radwege, dass wir wirklich ein geschlossenes Netz haben. Und da fehlt es in fast allen Städten eigentlich in Deutschland."
    Christoph Schmidt, Vorsitzender des ADFC Köln

    Der ADAC wünscht sich eine ganzheitliche Lösung, mit der alle Verkehrsteilnehmer zufrieden sind. Pop-up-Fahrradwege sind laut Pressesprecher des ADAC, Johannes Boos, keine ideale Lösung. Er denkt, dass es nicht ausreichen kann, einfach Striche auf die Straße zu malen, um Pop-up-Radwege zu deklarieren. Einerseits gehe es dabei um die Sicherheit von Radfahrenden, wenn so ein Weg dann plötzlich endet, aber auch für Autofahrende sei es schwierig, wenn plötzlich eine halbe Spur wegfalle.

    "Wir brauchen mehr Radwege in Städten, aber wir brauchen eben keine vorschnelle und übereilte Neuaufteilung des Verkehrsraumes, sondern ein schlüssiges Gesamtkonzept."
    Johannes Boos, Pressesprecher vom ADAC