Als Kleinkind wurde Yennifer Dallmann-Villa von Deutschen adoptiert. Eigentlich ist sie Kolumbianerin. Wer ihre Mutter ist, weiß sie nicht. Jetzt reist sie in ihr Heimatland.

Ihre Mutter würde sie gerne kennenlernen. In Kolumbien geboren, wurde Yennifer Dallmann-Villa mit zwei Jahren adoptiert - von einer deutschen Familie. Sie will ihre Heimat erleben, mit Müttern sprechen, deren Kinder adoptiert wurden - und vielleicht auch ihre eigene Mutter finden.

"Meine Adoptionsgeschichte fing mit der Sicht meiner Eltern an und damit, dass sie keine leiblichen Kinder kriegen konnten."
Yennifer Dallmann-Villa

Yennifer Dallmann-Villa ist eine moderne Aktivistin in Sachen Adoption. Eine fünfjährige Recherche liegt hinter ihr. Ein Buch, das sie mit vielen Adoptierten aus Kolumbien geschrieben hat, erschien im vergangenen Jahr. Sie schreibt Artikel und fotografiert. Mit einer Kickstarterkampagne finanziert sie jetzt eine Projektreise.

Moses oder Superman: Herkunft und Identität sind wichtig

Sie will die Geschichte der Adoption anders erzählen. Besonders die "der Leute, die nicht sichtbar sind, weil sie im Ursprungsland geblieben sind, weil sie eine andere Sprache sprechen oder keinen Zugang haben", sagt sie. Mit der Wanderausstellung "No mother, No child" will sie einen Zugang schaffen.

Sie hat international recherchiert und viele Schicksale leiblicher Mütter kennengelernt. In Kolumbien war es schwierig, Quellen zu finden. Aber dort wird sie Mütter treffen. "Das ist alles schon organisiert", erzählt sie. 

"Frauen geben ihre Kinder überall weg, das ist nicht nur ein Problem in Schwellenländern, auch in Europa oder Amerika."
Yennifer Dallmann-Villa

Als international adoptiertes Kind wurde sie schon früh geprägt. Präverbale Erinnerungen sind das, weiß sie: "Ein Land zu verlassen bleibt haften." Als sie dann in Deutschland aufwuchs, hat sie ihre Vergangenheit total ignoriert. 

Mit der Pubertät und ihren Beziehungen hat sie dann Verhaltensmuster an sich entdeckt, die sie auf ihre die Erfahrungen als Heimkind zurückführt.

"Ich glaube, das Schädlichste für zwischenmenschliche Beziehungen sind Lügen. Jeder hat ein Recht auf eine Wahrheit."
Yennifer Dallmann-Villa
Gefällt 48 Mal, 4 Kommentare - Y Villa (@yvilla_cologne) auf Instagram: „Hallo everyone! I am working on my project #NoMotherNoChild. Getting all loose ends together. Still..."
Hallo everyone! I am working on my project #NoMotherNoChild. Getting all loose ends together. Still no place to live in Medellín, still working on my spanish skills, still working on my texts and translations for my kickstarter compaign to raise the needed bit of funding. But I am sure I want to do this, more then ever. And I will! I am the one who can show those unseen mothers through photogrpahs. Make those mothers visible to us, those who lived their life after society made them surrender their children. It will change my life, my perspective as an adoptee and as a woman. And maybe the perspective of others too. One Adoptee, Adoptive Family, their partner, their friends or maybe a social worker who is arranging the Adoption process for a young woman, who got pregnant and is left with no one but that social worker to help her. I want to do that project #NoMotherNoChild so we can shift the perspectives and maybe understand more what Adoption as a lived expirience truely is about. #NoMotherNoChild #adoptivehood #adoptionfeeling #birthmothers #naturalmothers #medellin #colombia #bogota #adoption #adoptionart #adoptee #kickstarter #crowdfunding #femenism #women #girlssticktogether #motherlove #motherhood #internationaladoption #interracialadoption

Warum Adoptierte nicht fragen sollen, wer ihre Eltern sind, liegt daran, dass die Adoptivfamilien geschützt werden, erklärt sie: "Ich glaube aber, dass das Gegenteil die Wahrheit ist, weil man so viel Vertrauen in die Familie, die man aufgebaut hat, setzen kann, dass solche Fragen einen nicht erschüttern." 

"Ich finde es irritierend, dass wir 2017 immer noch diskutieren, ob wir Adoptierten sagen sollten, dass sie adoptiert sind."
Yennifer Dallmann-Villa

In Kolumbien ist es ein gesellschaftliches Problem, erklärt Yennifer: "Das Patriarchat und der Kapitalismus. Und bei internationaler Adoption sind keine Papiere nötig, auf denen die Mutter die Rechte abgibt." Nach einer gewissen Zeit ohne Besuch wird einfach ein "Dokument der Verlassenheit" ausgestellt. Dann können die Kinder adoptiert werden. 

"Das Storytelling, dass ich gehört hab war: Deine Mutter muss drogenabhägig gewesen sein, wenn du aus Kolumbien kommst. Damit wächst man auf ."
Yennifer Dallmann-Villa

Als international Adoptierte bekam Yennifer Dallmann-Villa keine Antworten. Ihre Adoptivfamilie war auch nicht informiert. 

Keine Informationen

"Internationale Adoptionen sind geschlossen, das heißt, es dürfen keine Daten rausgegeben werden." 

"Egal, in welchem Alter ein Kind die Trennung von der Mutter erlebt - es weiß das und speichert es im Körper und den Emotionen. Das ist nicht zu relativieren."
Yennifer Dallmann-Villa

Da es keine Akten aus Kolumbien gibt, hatte sie nichts, was sie den Klischees entgegensetzen konnte. "Wenn Informationen so vorenthalten werden, ist das Kriminalität", sagt sie. 

Über einen DNA-Test hat sie herausgefunden, wer ihre leiblichen Verwandten sind. Das hat ihr Leben komplett umgekrempelt. "Weil ich mich gefühlt habe wie ein Alien - niemand in meiner Familie hat meine Hautfarbe, niemand meine Augen und meine Nase."

"Internationale Adoption ist eine Mega-Billionen-Dollar-Industrie."
Yennifer Dallmann-Villa

Die Nachfrage bestimmt auch auf dem Adaptionsmarkt das Angebot, erklärt sie. Manchmal wird deshalb dafür gesorgt, dass Eltern ihre Kinder abgeben. "Oder sie werden auf den Straßen eingesammelt. Die Familien bleiben zurück, die Mütter werden erpresst. Und das macht sich für die Behörden natürlich nicht so gut, wenn das rauskommt."