Es ist ruhig geworden um die Demokratie in Ägypten. Die Hoffnungen des "Arabischen Frühlings" von 2011 bis 2013 sind verflogen, seit General und Feldmarschall Al-Sisi das Land militärisch regiert. Menschen werden überwacht oder verschwinden, und es werden so viele Todesurteile vollstreckt wie schon lange nicht mehr. In dieser Atmosphäre seien die Wurzeln der Demokratie regelrecht erstickt, sagt Politikwissenschaftler Amr Hamzawy.

Die Proteste der Bevölkerung 2011 waren nach Lesart des Al-Sisi-Staatsapparates ein großer Fehler. Sie hätten das Land in ein Chaos gestürzt, das seine Regierung inzwischen teilweise wieder hätte bereinigen können. Erst für nur ein Jahr gewählt, hat der Diktator die Gunst der Stunde genutzt und seine mögliche Amtszeit durch Gesetzesänderungen um ein Vielfaches verlängert.

"Sie degradieren die Bürger des bevölkerungsreichsten arabischen Landes zu politisch Unreifen, die dem Staat und der Gesellschaft erheblichen Schaden zugefügt haben."
Amr Hamzawy, Politikwissenschaftler

Es ist nicht nur die Degradierung der Bürger zu Unwissenden von oben. Die Bürger selbst scheinen dabei seltsamerweise mitzuspielen. Nur noch kümmerliche drei Prozent der Ägypter halten die Staatsform Demokratie für erstrebenswert, so der Politikwissenschaftler Amr Hamzawy in seinem Vortrag.

Arabische Frühling ist Geschichte

Der Arabische Frühling also ist längst Geschichte. Für die absolute Mehrheit der Ägypter scheint die Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Situation allerhöchste Priorität zu haben und nimmt dafür große Einschränkungen ihrer Rechte in Kauf.

"Demokratie in Ägypten. Toter Baum oder keimende Saat" heißt der Vortrag, den der ägyptische Politikwissenschaftler Amr Hamzawy gehalten hat. Seine Sicht auf die aktuelle Entwicklung in Ägypten hat er am 10. April 2019 vor dem Wissenschaftskolleg zu Berlin mitgeteilt. Amr Hamzawy hat nach der arabischen Rebellion kurz als Abgeordneter einer kleinen liberalen Partei im Parlament gesessen. Nun muss er mit seiner Verhaftung rechnen, sollte er wieder in Ägypten einreisen. Amr Hamzawy forscht und lehrt an der Stanford University in Kalifornien.