"Das Volk will den Sturz des Regimes" riefen tausende Ägypter auf dem Tahrir-Platz am 25. Januar 2011 und den Tagen danach. Von der Revolution ist fünf Jahre später nichts übrig geblieben.

Unser Korrespondent Jürgen Stryjak hat einen jungen Mann getroffen, der bei der Revolution auf dem Tahrir-Platz dabei war. Er erzählt, dass der 25. Januar 2011 sein Leben verändert hat. Er hat angefangen Videos zu drehen, Artikel zu schreiben. Er hat seinen Traum erfüllt - den, Journalist zu werden.

Inzwischen will der junge Mann weg. Er versucht in Dubai sein Glück. In Ägypten hat er keine Hoffnung mehr.

"Das ist eine ganz exemplarische Geschichte, die zeigt, wie groß die Enttäuschung ist in den fünf Jahren, obwohl die Revolution damals ein Erweckungserlebnis gewesen ist."
Jürgen Stryjak, DRadio-Wissen-Korrespondent Ägypten

Organisiert sind in Ägypten nur noch ganz wenige Menschen. Bewegungen, die säkular-zivilgesellschaftlich ausgerichtet sind, sind verboten worden. Die Ägypter haben Angst vor oppositionellen Aktivitäten.

Die Auswirkungen des Sisi-Regimes sind in Zahlen messbar: Im Jahr 2015 sind fast 500 Menschen unter dem Einfluss der Polizei ums Leben gekommen. 600 Folterfälle wurden registriert. Auch verschwinden immer wieder Menschen, die meisten später im Gefängnis wieder auftauchen.

Fünf Jahre nach der Revolution auf dem Tahrir-Platz ist ein ernüchterndes Fazit zu ziehen: Freiheit und soziale Gerechtigkeit sind nicht erfüllt worden. Inzwischen haben die Menschen nur noch zwei Alternativen: Sich mit der Situation abfinden oder auswandern.