Welche Rolle der Wind bei der Verbreitung von Aerosolen spielt, wird gerade erforscht. Forschende aus Singapur sagen in einer neuen Studie: Bei leichtem Wind können die Tröpfchen bis zu sechs Meter weit fliegen.

Wer hustet und das Coronavirus in sich trägt, verbreitet das Virus mit jedem Huster in Form von Aerosolen, also winzigen Tröpfchen. In einer Computersimulation haben Forschende in Singapur die Strömungsphysik dieser Aerosole untersucht, um herauszufinden, welche Rolle der Wind bei der Verbreitung spielt.

Ihr Ergebnis: Ohne Wind kommen die gehusteten Tröpfchen etwa einen Meter weit, doch schon bei Wind mit einer Geschwindigkeit von 7 km/h schaffen es die Hustentropfen mehr als sechs Meter weit. Ein Faktor, der dabei immer mitgedacht werden muss, ist die Größe der Tröpfchen. Je kleiner und leichter die Tröpfchen sind, desto weiter können sie auch fliegen.

Klima kann die Flugweite beeinflussen

Ganz können wir die Analyse der Forschenden allerdings nicht auf Deutschland übertragen. Denn in ihrer Simulation haben sie Werte für ein tropisches Klima eingegeben, was bedeutet, dass mit einer hohen Luftfeuchtigkeit gerechnet wurde. Das bewirkt, dass die Tröpfchen schneller sinken. Da bei uns die Luft im Normalfall aber trockener ist, könnte das bedeuten, dass die Aerosole bei uns noch weiter als sechs Meter fliegen, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Klaus Jansen.

Meistens nicht mehr als ein Meter

Dennoch gibt es keinen Grund zur Panik. Denn zum einen haben frühere Studien herausgefunden, dass die Hauptviruslast bereits innerhalb des ersten Meters zu Boden fällt. Und zum anderen sagen auch die Forschenden der neuen Studie, dass man nicht gleich Angst haben müsse, wenn eine Person hustet und der Wind genau in die eigene Richtung wehe. Erst bei mehreren Hustern aus der Richtung, aus der auch der Wind komme, steige das Infektionsrisiko wieder an.

"Ein einzelner Huster, der bewirkt auf die Distanz nur eine geringe Belastung. Selbst wenn der Wind in deine Richtung weht."
Klaus Jansen, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Mund-Nasen-Schutz bietet beste Eindämmung

Der Wind ist also ein Faktor, den man durchaus mitdenken sollte, er ist aber bei weitem nicht so einflussreich wie das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes. Denn dieser trägt schon viel dazu bei, dass die Aerosolwolke um einen herum verkleinert wird, indem die Maske die Tröpfchen ausbremst und abfängt.

"Die Masken helfen ja schon mal, die Aerosolwolke um uns herum zu verkleinern. Masken bremsen die Tröpfchen, die wir ausstoßen, einfach schon mal ab."
Klaus Jansen, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Und der Wind hat ja auch sein Gutes, sagt Klaus Jansen. Denn gerade in Innenräumen, in denen die Viruslast hoch ist, ist es sehr wichtig, immer wieder für frische Luft zu sorgen, um so das Infektionsrisiko zu senken.