Was verbindet ihr mit Afghanistan? Sicherlich nicht Surfen. Mit den ersten afghanischen Surf-Meisterschaften will Afridun Amu das ändern.

Afridun Amu ist leidenschaftlicher Surfer und studiert derzeit noch in Berlin Jura und Kulturwissenschaften. Vor 28 Jahren ist er in Afghanistan zur Welt gekommen. Doch das Land hat er schon als Baby verlassen. Jetzt kehrt er als Surf-Botschafter zurück. Mit seinem Freund Jonas Brunnert hat Afridun die Wave Riders Association of Afghanistan (WRAA) gegründet, die vom internationalen Surfverband (ISA) und der afghanischen Regierung anerkannt wurde.

Dass Afghanistan ein Binnenland ohne Meerzugang ist, stört Afridun wenig. Wellenreiten könne man ohnehin nur richtig auf dem Ozean und dazu hätten viele Länder wie Deutschland auch keinen Zugang. Inzwischen zählt die WRAA rund 20 Mitglieder und wird im Mai die ersten afghanischen Surf-Meisterschaften in Portugal ausrichten.

"Wir Afghanen brauchen nicht nur Sachen, um zu überleben, sondern wir brauchen auch Sachen, um zu leben. Dazu gehört eben auch etwas zu haben, das Freude bereitet wie zum Beispiel das Surfen."
Afridun Amu, WRAA

Die Reaktionen auf seinen Verband und die Meisterschaften seien durchweg positiv, erzählt Afridun. Denn viele Surfer hätten überhaupt keine Ahnung von Afghanistan oder kennen nur die Negativ-Schlagzeilen über das Land. Über den Verband und seine Mitglieder hätten die Menschen einen ganz anderen Zugang dem Land und den Afghanen.

"Viele Surfer haben oft gar keine Ahnung von Afghanistan."
Afridun Amu, WRAA

Und die Afghanen selbst? Für sie bedeute die Sportart ein Stück Normalität, erklärt Afridun. Der Spaß und die Freude an dem Sport könne den Menschen ein positives Lebensgefühl vermitteln. Außerdem hätten die Afghanen durch den Verband und die Meisterschaft, die Möglichkeit an der Welt teilzuhaben und bei den Weltmeisterschaften dabei zu sein. Es sei zwar ein kleines Projekt, sagt Afridun, aber damit könnten sie einen Beitrag dazu leisten, Afghanistan oder gewisse ziviele Strukturen aufzubauen.

Visionen für ein friedlicheres Afghanistan

Für Afghanistan plant Afridun einen Wave-Park oder Wellen-Garten, in dem die Afghanen trainieren können. Seine Vision ist, mit dieser Institution eine friedliche Umgebung zu schaffen. Dazu gehören auch einige afghanische Surferinnen, die couragiert gegen die Unterdrückung der Frauen in ihrem Land protestieren, aber auch einen Gegenpol zur "machohaften Surfer-Gesellschaft" setzen.

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