Die Taliban festigen ihre Macht in Afghanistan. Ihren totalitären Anspruch setzen sie zunehmend auch in der Medienlandschaft durch, berichtet ARD-Korrespondent Peter Hornung: Den Journalistinnen und Journalisten im Land drohen Verhaftung und wohl auch Folter.

Seit dem Abzug der westlichen Koalitionstruppen Ende August 2021 wird Afghanistan wieder von den Taliban kontrolliert. Es handele sich dabei um eine Herrschaft mit totalitärem Anspruch, sagt ARD-Korrespondent Peter Hornung. Bis in die Köpfe hinein wolle die Taliban regieren. Das zeige sich im Bereich der Medien recht deutlich.

Härte gegen Journalist*innen

Von Pressefreiheit könne nur noch sehr eingeschränkt die Rede sein: "Afghanistan ist noch nicht Nord-Korea, das liegt auch daran, dass die Taliban noch nicht den Überwachungsapparat haben", so der Korrespondent.

Das Vorgehen der Taliban gegen Journalistinnen und Journalisten sei in den vergangenen Monaten nicht nur spürbar härter geworden, sondern werde von Woche zu Woche schlechter. Auf der Tagesordnung stünden:

  • Hausdurchsuchungen
  • Drohungen
  • Verhaftungen
  • Vermutlich auch Folter

Das Taliban-Ideal von Journalismus sei, dass Taliban-Nachrichten möglichst unmittelbar verbreitet werden. Der totale Anspruch zeige sich darin, dass alle medialen Inhalte, beispielsweise auch die Musikauswahl, betroffen seien. Die Taliban stellen sich die afghanische Medienlandschaft als Echokammer ihrer Verlautbarungen vor.

"Den Journalismus, den die Taliban vor Augen haben, ist eigentlich ein Sprachrohrjournalismus."
Peter Hornung, ARD-Korrespondent für Südasien

Weibliche Stimmen und weibliche Mitarbeit ist in diesem Verlautbarunssystem nicht vorgesehen. Fernsehmoderatorinnen dürfen nicht mehr vor die Kamera, berichtet Peter Hornung. Und in der Region Herat dürfen auch keine weiblichen Stimmen mehr im Radio zu hören sein.

Regional abgestufte Verbote

Gerade die Situation von Frauen, insbesondere die von Journalistinnen, werde immer schlimmer. Das Ausmaß der religiös begründeten Verbote sei allerdings je nach Region unterschiedlich.

"Selbst in Kabul werden Journalistinnen heftig schikaniert. Die dürfen nicht in Pressekonferenzen, die kriegen von Behörden keine Informationen."
Peter Hornung, ARD-Korrespondent für Südasien

Grundsätzlich seien die Einschränkungen der freien Meinung auf Social-Media-Kanälen in Afghanistan weniger gravierend. Auch die Paschtu- und Dari-Programme der Deutschen Welle und der BBC seien noch zuverlässige Informationsquellen für die afghanische Bevölkerung, sagt Peter Hornung. Früher hätten afghanische Medien teilweise das Programm der BBC übernommen, das sei inzwischen aber verboten.

Unser Bild zeigt den Kontrollraum des Senders ToloNews in Kabul im November 2021 - zu diesem Zeitpunkt arbeiteten dort noch Journalistinnen.