Neue Bezahlmethoden via Smartphone oder Plattformen um faire Preise zwischen Bauern und Einkäufern zu garantieren: In den Start-up-Szenen auf dem afrikanischen Kontinent bewegt sich gerade viel. Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Katja Scherer erklärt, wo genau sich etwas tut.

Vor Kurzem hat die Online-Plattform Weetracker gemeldet, dass afrikanische Start-ups in den ersten sechs Monaten in 2018 rund 168 Millionen US-Dollar von Investoren erhalten hätten – das sei mehr als im gesamten Vorjahr. 

Am weitesten sei die Entwicklung der Start-up-Szene in den Ländern Kenia und Südafrika, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Katja Scherer. Hier gebe es schon seit circa zehn Jahren eine rege Szene. Neu sei, dass auch in Regionen in Ghana, dem Senegal oder Ruanda neue Start-ups entstehen würden.

Ähnliche Branchen, andere Ideen

Im Vergleich zu europäischen Start-ups seien die afrikanischen in ähnlichen Branchen unterwegs – aber mit anderen Geschäftsideen, speziell auf die Probleme vor Ort zugeschnitten, erklärt Katja. Klassische Branchen wie Geldwesen, Landwirtschaft oder Gesundheitswesen.

"Das sind teils ähnliche Branchen wie bei europäischen Start-ups. Aber afrikanische Gründer haben oft andere Geschäftsideen, die auf die Probleme vor Ort zugeschnitten sind."
Katja Scherer, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Beim Geldwesen seien das zum Beispiel Bezahlmethoden via Handy. Hier habe es einige erfolgreiche Gründungen gegeben, sagt Katja. Denn viele Menschen hätten keine Bankfiliale in ihrer Nähe – oder sie dürften kein Konto eröffnen, weil sie zu wenig Geld besitzen. Durch die Angebote der Start-ups könnten sie in vielen Ländern ihr Geld nun mithilfe einer App oder via SMS versenden. 

Außerdem gibt es Plattformen wie die ghanaische Plattform Agrocenta in der Landwirtschaft. Diese Plattform schaltet Zwischenhändler aus und vermittelt direkt zwischen Landwirten und Einkäufern. So soll verhindert werden, dass ein Großteil des Gewinns an die potenziellen Zwischenhändler geht. 

Ein Beispiel für eine erfolgreiche Start-up-Idee aus dem Gesundheitswesen bietet die Online-Plattform Doctoora aus Nigeria für Katja. Ärzte sollen über diese Plattform bei Bedarf Praxen anmieten können. Denn die Gesundheitsversorgung sei in vielen Regionen schlecht – und laut des Gründers Debo Odulana könne sich so mancher Arzt keine eigene Praxis leisten. Debo Odulana hofft, dass er mit seinem Unternehmen dazu beitragen kann, dass mehr Ärzte im Land bleiben.

Das Bild zeigt einen Mann.
Debo Odulana ist Gründer der Online-Plattform Doctoora in Nigeria.
"I feel with what I am doing I get some doctors to stay and this itself has a wider impact than making some cash."
Debo Odulana, Gründer der Online-Plattform Doctoora

Die meisten Investitionen kommen aus dem Ausland

Der größte Teil der Investoren kommt aus dem Ausland, sagt Katja. Facebook-Gründer Marc Zuckerberg habe allein 24 Millionen US-Dollar in das nigerianische Start-up Andela investiert – ein Unternehmen, das Software-Entwickler fördert. Auch Google hat im vergangenen Frühjahr ein panafrikanisches Start-up-Programm gestartet: In den kommenden drei Jahren sollen rund 60 Start-ups mit insgesamt drei Millionen US-Dollar und Trainingsprogrammen unterstützt werden. 

"Es gibt einige afrikanische Geldgeber – zum Beispiel den Savannah Fonds aus Kenia. Und auch Regierungen in Kenia oder Ruanda unterstützen Gründer durch Investitionsfonds. Aber der größte Teil des Geldes kommt aus dem Ausland."
Katja Scherer, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Neben internationalen Investoren gibt es auch verschiedene afrikanische Geldgeber – und manche afrikanische Regierungen unterstützen Gründer durch Investmentfonds. 

Das ist beispielsweise in Kenia und Ruanda der Fall. Auch die Bundesregierung hat das Potenzial afrikanischer Start-ups erkannt und in den vergangenen Monaten zwei Veranstaltungen für afrikanische Gründer und deutsche Geldgeber organisiert.

Eine Mitarbeiterin eines afrikanischen Start-ups am Laptop.
© Deutschlandfunk Nova | Michael Stürzenhofecker
Das CCHub, ein Start-up-Center in Lagos, Nigeria.

Lernen von afrikanischen Start-ups

Die Start-ups seien gleich auf mehreren Ebenen eine Chance für die Länder, in denen sie gegründet werden. Durch die Angebote könnten in der Praxis direkte Herausforderungen bewältigt werden, zum Beispiel den Landwirten zu helfen. Zum anderen schaffen die neuen Unternehmen Arbeitsplätze. Langfristig könne sich auch das Image von Afrika im Allgemeinen verbessern, glaubt Katja.

"Das Besondere bei afrikanischen Start-ups ist auch, dass sie sehr stark auf mobile Anwendungen auf dem Smartphone setzen und damit sogar in manchen Branchen zum technologischen Vorbild geworden sind."
Katja Scherer, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Durch den Fokus auf Smartphone-Anwendungen, sei es den afrikanischen Start-ups in manchen Branchen auch schon gelungen, als Vorbild zu gelten, sagt Katja. Etwa bei Versicherungs-Angeboten. So können User in verschiedenen afrikanischen Ländern Versicherungen über das Smartphone abschließen und verwalten.