Nitrat im Grundwasser und massives Insektensterben? Ja, das hat auch mit den Landwirten zu tun, sagt einer von ihnen. Hier erklärt er, warum er gegen Agrarpaket und schärfere Düngeverordnung demonstriert hat.

Mit ihren Traktoren haben Landwirte aus ganz Deutschland am Dienstag in Berlin gegen die Agrar- und Umweltpolitik der Bundesregierung protestiert. Nach Schätzungen der Polizei rollten bei der Demonstration rund 8600 Schlepper zum Brandenburger Tor. Sie protestieren konkret gegen eine Verschärfung
der Düngeverordnung und ein geplantes Agrarpaket.

Erklärtes Ziel der Bundespolitik ist: Insekten-, Vogel- und besonders der Grundwasserschutz. Im Grundwasser werden die zulässigen Nitratwerte seit 2008 an fast jeder fünften Messstelle überschritten. Die Masse fliegender Insekten in Deutschland hat in den vergangenen 27 Jahren um rund 76 Prozent abgenommen.

Kein Spielraum für Umweltschutz

Rene Rempt war auch bei der Demonstration unterwegs. Er arbeitet als Landwirt in der Nähe von Stralsund. Auch er sieht einen Zusammenhang zwischen Umweltschäden und der Landwirtschaft. Die Preise ließen den Landwirten allerdings keinen Spielraum.

"Wir werden zerrieben zwischen gesellschaftlichen Ansprüchen und dem Weltmarktpreis."
Rene Rempt, Landwirt, protestiert gegen die Agrarpolitik der Bundesregierung

Er betont, dass Deutschland ein Kultur- und kein Naturraum ist. Deutschland wäre ein riesengroßer Wald, wenn es der Natur überlassen würde. Außerdem würden die Landwirte würden für das Insektensterben und die zu hohen Nitratwerte im Grundwasser alleine verantwortlich gemacht. Rene Rempt findet, das Agrarpaket werde über die Köpfe der Bauern hinweg entschieden.

Landwirte mit Beratungsbedarf

Der Landwirt wünscht sich kooperativen Umweltschutz. Darunter versteht er die Abstimmung lokaler Behörden mit einzelnen Betrieben – keine pauschalen Gesetzesvorgaben. Das liefere gute Ergebnisse. Beim Umweltschutz könnten Landwirte gut Expertise und Rat gebrauchen.

Als Beispiel nennt der Landwirt Wasserversorgungsunternehmen, die Dünge- und Anbauberatung mit den Landwirten machen und für einen ausreichenden finanziellen Ausgleich sorgen. Er erkennt an, dass Landwirte mit die größten Flächennutzer in Deutschland sind und deswegen durchaus einen Einfluss auf den Lebensraum von Insekten haben. Es seien in den vergangenen Jahren allerdings weniger Insektizide präziser eingesetzt geworden.

"Der Einsatz der Insektizide ist tendenziell in den letzten Jahren sogar zurückgegangen und deutlich punktgenauer geworden."
Rene Rempt, Landwirt, protestiert gegen die Agrarpolitik der Bundesregierung