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Strom erzeugen und gleichzeitig Gemüse anbauen - das geht. Wenn man es richtig macht, gibt es bei dieser Kombination wenig Nachteile. Manches Gemüse freut sich sogar über den erzeugten Schatten.

Wenn Deutschland bis 2040 klimaneutral sein will, müssen um Größenordnungen mehr Windräder und Solarkraftwerke aufgestellt werden - nicht nur, um den bisherigen Strom aus Kohle und Atomkraft zu ersetzen, sondern auch um den Mehrbedarf zu decken, den es in Zukunft geben wird. Denn bisher fahren die meisten Autos noch mit Benzin und Diesel, und die meisten Häuser werden mit Heizöl und Erdgas geheizt. Das alles muss weitestgehend umgestellt werden auf den Energieträger Strom.

Problem: Wo Solaranlagen sind, wächst nichts

Einen Teil zur Stromerzeugung aus regenerativen Quellen kann die Solarkraft übernehmen. Auf vielen Hausdächern sieht man die Photovoltaik-Anlagen schon. Wo sie bisher kaum zum Einsatz kommen: auf landwirtschaftlichen Flächen. Dabei wäre dort auf den ersten Blick ja schön viel Platz.

Das Problem: Werden Äcker mit Solarkraftwerken belegt, ist dort kein Platz mehr, um Getreide oder Gemüse anzubauen. Um dieses Problem zu umgehen, gibt es schon seit Längerem eine Technik, die sich Agri-Photovoltaik nennt.
"In Deutschland eignen sich Felder mit Solaranlage besonders für Beerenobst, Äpfel, Kirschen, Kartoffeln und Gemüse wie Tomaten und Gurken. Da ist der Ertrag am größten beziehungsweise die Einbußen sind am geringsten."
Sebastian Sonntag, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Die Idee: Die Solarmodule werden nicht direkt auf der Erde, sondern auf Metallgestellen in ca. fünf Metern Höhe installiert. Das reicht, dass unten drunter alles wachsen kann und auch Geräte wie Traktor und Mähdrescher drunter passen.

Allerdings bietet sich die Technik weniger für Pflanzen an, die maximale Sonneneinstrahlung brauchen. Denn die Solarmodule fangen die Sonne ab und erzeugen Schatten.

Für manche Pflanzen aber ist das sogar von Vorteil, zum Beispiel für bestimmte Sorten aus dem Wein-, Obst- und Gemüsebau. Manche Salate wachsen bei mehr Schatten sogar besser. Je nach Wettersituation, vor allem bei sehr hohen Temperaturen und langer Sonneneinstrahlung, kann ein Solardach dafür sorgen, dass der Boden die Feuchtigkeit etwas länger hält.

Hagelschutz leichter montieren

Die Metallkonstruktion, die die Solarmodule trägt, kann zudem zweitgenutzt werden: Zum Anbringen von Schutznetzen oder -planen gegen Regen, Hagel und Vögel.

Je nach Situation kann der Schatten durch die Solarpanels aber dafür sorgen, dass die Pflanzen weniger gut wachsen. Zusammen mit dem Ertrag durch den Verkauf des erzeugten Stroms kann das am Ende für den Landwirt trotzdem noch ein Plus-Geschäft sein.

Beispiele für Photovoltaik-Anlage auf Äckern gibt es auf der ganzen Welt. In Europa ist Frankreich führend, in Deutschland gibt es bisher Einzelprojekte.

Unser Aufmacherbild zeigt eine Agrophotovoltaik-Pilotanlage, die das Fraunhofer ISE in Heggelbach am Bodensee betreibt.