Air Berlin fliegt weiter - trotz Insolvenz. Ein Übergangskredit der Bundesregierung von 150 Millionen Euro sichert noch bis Ende November den Flugbetrieb.

Dabei muss die Bundesregierung allerdings die EU-Regeln für Beihilfen und Subventionen beachten. Die sind nämlich eigentlich in der EU verboten, es sei denn, es handelt sich um Rettungsbeihilfen. Die wiederum sind in engen Grenzen erlaubt, solange es darum geht, ein Unternehmen wieder auf die Beine zu bringen. Dauerhafte Subventionen sind aber verboten. Darum gehe der Bundesregierung aber auch nicht, sagt Berlin-Korrespondent Theo Geers.

"In einer Marktwirtschaft gehen jeden Tag Unternehmen pleite - ob die nun groß sind oder klein."
Theo Geers, Korrespondent im Hauptstadtstudio Berlin

Wirtschaftspuristen ist diese Rettungsaktion ein Dorn im Auge. Ihnen wäre es lieber, der Markt würde sich selbst bereinigen. Und auch Theo Geers sagt, dass aus diesem zerstörenden Prozess auch wieder neue Unternehmen entstehen, die im Zweifel besser sind. Aber: Derzeit wird es kein Politiker wagen, Air Berlin einfach Pleite gehen zu lassen. Dafür sind die Erinnerungen an eine andere Pleite noch zu frisch.

Damals berührte viele Menschen das Schicksal der Frauen, die in den Schlecker-Filialen arbeiteten. Nur den damaligen FDP-Chef und Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler nicht, sagt Theo Geers. Und dieses kaltherzige Image habe Rösler bis zur Bundestagswahl 2013 nicht mehr aus den Klamotten schütteln können.

"Aus unserer Sicht ist jetzt die Bundesagentur für Arbeit am Zug, jetzt gilt es für die Beschäftigten, die mehr als 10.000 Frauen schnellstmöglich eine Anschlussverwendung zu finden."
Philipp Rösler (FDP), Ende März 2012 zur Schlecker-Pleite

Nicht so gut kommt das Verhalten der Bundesregierung übrigens beim Konkurrenten Ryanair an. Die werfen der Bundesregierung vor, Air Berlin durch die Rettungsaktion schuldenfrei aus der Nummer rauskommen zu lassen, damit die Lufthansa zuschlagen kann.

Die Pleite aus Sicht eines Vielfliegers

Vor allem Fehler im Management haben dazu geführt, dass Air Berlin immer mehr in Schwierigkeiten geraten ist. Das hat Vielflieger und Journalist Dominik Evers beobachtet. Während die Business Class hofiert wurde, wurde in der Economy Class immer mehr gespart: Erst wurde das kostenlose Wasser abgeschafft, dann gab's keine Snacks mehr und zuletzt kamen auch noch große Verspätungen hinzu. 

Für die Fluggäste sei dann nicht mehr klar gewesen, was Air Berlin eigentlich will: Konkurrenz zu den großen Billigfliegern oder auf dem Sprung in die große Welt mit Business Class und Champagner.

Dominik Evers
"Die meisten sind in der Economy Class geflogen und da wurde der Service in den letzten Monaten immer schlechter."