Das Zentrum für politische Schönheit hat in Istanbul offenbar Flugblätter auf eine Straße am Gezi Park herabsegeln lassen - mithilfe eines ferngesteuerten Druckers. 

Die Flugblätter riefen zur Absetzung Erdogans auf, außerdem stand darauf "Tod dem Diktator". Das Flugblatt war zudem mit weiteren Hinweisen versehen: Dass es aus Mitteln des Freistaates Bayern und der Bundesregierung finanziert wurde, was wohl für Verwirrung im politischen System sorgen sollte. 

Die ganze Aktion hat am Gezi Park in Istanbul stattgefunden und zwar in einem Hotelzimmer mithilfe eines Druckers, der über Google Cloud Print ferngesteuert war. Der Drucker stand an einem geöffneten Fenster. Die Flugblätter, die der Drucker ausdruckte, landeten so auf einer Straße am Gezi Park. Die Aktion kam erst zu einem Ende, als Mitarbeiter des Hotels in das Zimmer eindrangen und den Drucker stoppten.

Dahinter steckt offenbar das Zentrum für politische Schönheit, ein Bündnis aus Aktivisten und Aktionskünstlern. Es hat dazu dieses Statement veröffentlicht.

Entstanden ist das Flugblatt im Rahmen der Aktion "Scholl 2017", die an den Widerstand der Geschwister Scholl gegen die Nazis erinnern soll. Für die Aktion hat das Zentrum für politische Schönheit im Namen des fiktiven Bayerischen Staatsministeriums für Bildung, Kultur und Demokratie Menschen ab 14 Jahren dazu aufgerufen, Flugblätter zu entwerfen, zu verteilen und so gegen Diktaturen vorzugehen.

Zu 100 Prozent sicher sei es allerdings nicht, dass das tatsächlich das Zentrum für Politische Schönheit hinter der Aktion steckt, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Martina Schulte. "Denn die Künstler lieben es, solche Aktionen zu faken, um damit öffentliche Reaktionen zu provozieren."

Einige Indizien sprechen aber dafür: Türkische Medien haben über die Aktion berichtet. Zudem fahnden die türkischen Behörden offenbar nach einem deutschen Staatsbürger, der an der Aktion beteiligt gewesen sein soll. Netzpolitik.org schreibt, dass der Drucker die Flugblätter erst druckte, als die Person außer Landes war, die alles aufgebaut hatte.

Die Reaktionen auf die Aktion

Das Flugblatt sorgt im Netz unterdessen für gemischte Reaktionen. Einige Kritiker befürchten, dass so eine Aktion die Spannungen zwischen der Türkei und Deutschland noch weiter verschärfen kann. Vor allem weil auf den Flugblättern steht, dass sie mit Mitteln des Freistaates Bayern und der Bundesregierung finanziert wurden.

Andere kritisieren, dass so eine Aktion all diejenigen in Gefahr bringt, die sich in der Türkei tatsächlich für die Demokratie einsetzen.