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Betreuen, putzen und kochen – alles nur aus Liebe? Auch unbezahlte Haus- und Pflegearbeit hat einen wirtschaftlichen Wert, findet der Aktivist Sascha Verlan.

Ein Chinese muss seiner ehemaligen Frau umgerechnet 6300 Euro als Entschädigung für die Haus- und Betreuungsarbeit während ihrer fünfjährigen Ehe zahlen. Das Paar hat ein gemeinsames Kind, das seit der Trennung bei der Frau lebt. Sie erhält nun zusätzlich umgerechnet 250 Euro monatlich von ihrem Ex-Mann. Grundlage des Urteils eines chinesischen Scheidungsgerichts in Peking ist ein neues Zivilgesetzbuch.

Sascha Verlan setzt sich dafür ein, dass Care-Arbeit gerechter verteilt und besser bezahlt wird. Er ist Mit-Initiator des Equal Care Day. Für ihn ist Sorgearbeit Grundlage von Leben, Gesellschaft und Wirtschaft. Ohne die Betreuung, Erziehung und Bildung von Kindern gebe es eben auch keine Arbeitskräfte. Er sagt: "Die Carearbeit muss erst da sein. Und dann kann Wirtschaft passieren."

Frauen und Betreuungsaufgaben

Für den Aktivisten scheint die Höhe der Einmalzahlung, 105 Euro monatlich, viel zu gering – übertragen auf die Verhältnisse in Deutschland. Er sagt: "Auf fünf Jahre hochrechnet, sind das rund 100 Euro im Monat. Auf Deutschland übertragen wäre das viel, viel zu wenig."

Hierzulande werde Betreuungs- und Hausarbeit als solche bei Scheidungsangelegenheiten nicht berücksichtigt. Mütter seien bei Kindern und Sorgerecht meistens hauptverantwortlich und nach der Scheidung auch weiterhin zuständig, der Vater unterhaltspflichtig.

"Man kann sich nur auf die Karriere stürzen und so lange auch in der Erwerbsarbeit sein, wenn da jemand ist, der eben einem den Rücken freihält."
Sascha Verlan, Mit-Initiator des Equal Care Day

Sich Sorgearbeit als etwas Privates vorzustellen, das aus Liebe gemacht werde, sei immer noch weit verbreitet. Rollenbilder hätten für diese nur vielleicht 150 bis 200 Jahre alte Vorstellung eine große Rolle. Jungs lernten das oft nicht.

Sorgearbeit, Tradition und Rollenbilder

Verallgemeinernd sagt Sascha Verlan: "Sorge, Verantwortung zu übernehmen, das spielt in den Schulen, in den Kitas keine Rolle."

"Grundsätzlich könnte die gesetzliche Grundlage für sehr viel gerechtere Verhältnisse sorgen, dass das Wollen, das Wünschen der Menschen ist da."
Sascha Verlan, Mit-Initiator des Equal Care Day