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Der Discounter Aldi hat ein neues Geschäftsfeld für sich entdeckt: den Verpackungsmüll. Dafür kooperiert der Discounter mit einem Recycling-Unternehmen, um Zugriff auf alte Verpackungen zu bekommen. Denn die sind wertvoll.

Müllentsorgung ist ein riesiges Geschäft: Jährlich werden damit allein in Deutschland rund 40 Milliarden Euro umgesetzt. 40 Prozent davon entfallen auf Recycling. In dieses Geschäftsfeld steigt nun auch Aldi ein. Dafür wurde eine Kooperation mit einem Kölner Recycling-Unternehmen abgeschlossen.

Wertstoffe recyceln

Damit gehe es Aldi aber nicht allein um ein neues Geschäftsmodell, sagt Florian Kolf, Wirtschaftsjournalist beim Handelsblatt. Der Discounter wolle damit den Wertstoffkreislauf bei den Verpackungen schließen. Das heißt, dass zum Beispiel die Stoffe aus alten Verpackungen wieder in neuen Verpackungen landen. Aldi will das Recycling stärker in eigener Hand haben.

"Aldi ist wichtig, dass sie den Wertstoffkreislauf bei ihren Verpackungen schließen können."
Florian Kolf, Wirtschaftsjournalist beim Handelsblatt

Dafür gibt es verschieden Gründe. Zum einen sei die Verantwortung für Unternehmen in Bezug auf Klimaschutz mittlerweile gewachsen. "Der öffentliche Druck ist so groß geworden, dass sie da was tun müssen", sagt Florian Kolf.

Zum anderen sind die sogenannten Rezyklate, also der recycelte Kunststoff, sehr knapp, so Florian Kolf. Aber genau die braucht es, um neue recycelte Verpackungen zu machen.

Deshalb ist es sinnvoll, selbst ins Geschäft mit einzusteigen und dadurch einen direkten Zugriff auf die Wertstoffe zu haben. Neben Aldi ist auch schon der Discounter Lidl ins Recyclinggeschäft eingestiegen.

"Wenn sie ihre eigenen Sortieranlagen haben, dann haben sie einen direkten Zugriff auf die Wertstoffe."
Florian Kolf, Wirtschaftsjournalist beim Handelsblatt

Das heißt aber nicht, dass die Kundschaft ihre Verpackungen bei Aldi wieder zurück gibt. Es bleibt beim dualen System, also dem grünen Punkt (mit dem gelben Sack oder der gelben Tonne). Es geht vielmehr um eine Zusammenarbeit mit oder auch Beteiligung an einem Unternehmen des dualen Systems, die den Verpackungsmüll wie gewohnt bei den Menschen einsammeln.

Direkter Zugriff auf die Wertstoffe

Vorteil für Aldi: Das Unternehmen bekommt stärkeren Zugriff auf die Wertstoffe und kann zum Beispiel bei seinen Eigenmarken, die vom Discounter produziert werden, eine höhere Recyclingquote erzielen. Lidl hat bei den Plastikflaschen der Eigenmarken bereits einen Anteil von 100 Prozent erreicht, so Florian Kolf.

Problematisch kann es aber für kleinere Händler werden, die höhere Recyclingquoten bei den Verpackungen dann nicht in diesem Ausmaß erzielen können. "Da besteht schon ein Wettbewerbsnachteil", sagt Florian Kolf. "Denn es braucht eine gewisse Finanzkraft, wenn man selbst ins Recycling-Geschäft einsteigen will."