"Lasst sie zusammenfallen, die gebauten Gemeinheiten!", schrieb der Architekt Bruno Taut 1920, weil er die aus Stein gebauten Städte für ein großes Übel hielt. Wie aber sollen sie aussehen, die Häuser, Wohnungen und Stadtzentren, in denen die Menschen glücklich wohnen können?

Von Platon bis Thomas Morus, von Leonardo da Vinci bis Le Corbusier: Über Jahrtausende hinweg haben große Denker und Architekten Utopien für das optimale Zusammenleben in Gesellschaften entworfen. Von großer Bewunderung bis zu fassungslosem Kopfschütteln reicht unsere Bewertung, wenn wir heute darauf zurückblicken.

Der Stadtforscher Aljoscha Hofmann von der TU Berlin hat zu diesem Thema auf der Tagung "Utopisch-dystopisch. Visionen einer idealen Gesellschaft" an der Universität Hildesheim gesprochen. Dabei zeichnet er die Träume und Albträume vieler Stadtentwürfe nach, auch die von da Vinci:

"Eine elegante obere Ebene aus Arkaden und Palästen ist den vornehmen Personen vorbehalten. Fahrzeuge und die gewöhnlichen Menschen hingegen bewegen sich auf der unteren Ebene."
Aljoscha Hofmann, Stadtforscher

Um überhaupt zum Ideal einer "glücklichen Stadtgesellschaft" vorstoßen zu können, war in den meisten Denkmodellen ein gutmütiger Diktator nötig, der die Grundlage dafür schuf. Und noch etwas war wichtig: Eine optimal funktionierende Stadt musste stets neu errichtet werden. Für Hofmann fatal, denn nach dieser Auslegung wohnt unseren - nur noch erweiterten Städten - eine tödliche Krankheit inne, für die keine Besserung in Sicht ist.