Als Krankenpflegerin betreut Jana ihre Patienten intensiv, macht regelmäßig Überstunden und kaum Pausen. In ihrem Job hat sie eine große Verantwortung und bekommt dafür ein kleines Gehalt. Zu klein, findet Jana. Deshalb setzt sie sich für eine gerechtere Bezahlung ein.

Wenn Jana von der Arbeit nach Hause kommt, ist sie oft völlig geschafft vom Tag. Bis zum Feierabend hat sie sich um ihre Patientinnen gekümmert, ihnen Medikamente verabreicht, Blutkonserven bestellt, Angehörigen Besuchsregeln erklärt und Patienten bei ihrer Entlassung betreut.

Jana ist Gesundheits- und Krankenpflegerin und versorgt im Krankenhaus krebskranke Menschen. Das ist einer ihrer Jobs. Zusätzlich studiert die 25-Jährige das Fach "Gesundheit". Später möchte sie die Pflegeforschung als ihren Schwerpunkt wählen.

Krankenpflegerin Jana.
© Privat
Jana liebt ihren Job – und fordert ein gerechteres Gehalt.

Jeden Tag eine emotionale Achterbahnfahrt

Jana geht darin auf, den menschlichen Körper zu verstehen und Krankheiten zum Beispiel an den Augen, der Haut oder am Urin ablesen zu können. Und sie liebt es, ihre Patientinnen und Patienten zu betreuen.

Oft ist ihre Arbeit herausfordernd, sagt sie. Zum Beispiel dann, wenn sie in einem Zimmer einen Menschen pflegt, der im Sterben liegt und dann in das nächste Zimmer wechselt, in dem jemand einen Therapieerfolg feiert. Zu ihrem Job gehört diese emotionale Achterbahnfahrt aus Trauer, Freude, Wut.

"Ich muss meine Emotionen, die ich in einer Situation empfunden habe, innerhalb von Minuten umschwenken."
Jana, Gesundheits- und Krankenpflegerin

Bei ihren Patient*innen nimmt sie häufig ein Gefühl der Dankbarkeit wahr – auch wenn sie von Zimmer zu Zimmer eilt und die Zeit knapp ist. Jana ist während ihrer Schicht im Krankenhaus regelmäßig für etwa 30 Patientinnen und Patienten zuständig. Den Dienst teilt sie sich dann zusammen mit einer weiteren Pflegekraft.

Momentan ist die Arbeitslast noch höher als zu Corona-Hochzeiten, erzählt sie, weil gerade zum Beispiel viele Chemotherapien nachgeholt werden, die durch die Pandemie verschoben wurden. Ein Problem ist aber geblieben: die stark unterbesetzten Stationen.

"Ich gehe so gut wie nie pünktlich nach Hause – gerade in den Spätdiensten. Mit 'nicht pünktlich' meine ich nicht 15 Minuten länger arbeiten, sondern eine halbe, dreiviertel oder ganze Stunde länger. Meistens habe ich keine Pause."
Jana, Gesundheits- und Krankenpflegerin

Überstunden, Unterbesetzung, wenig Gehalt

Die Arbeit als Krankenpflegerin bedeutet permanent am Limit arbeiten und Überstunde nach Überstunde schieben – all das für ein Nettogehalt von ungefähr 1200 Euro. So viel bekommt Jana für ihre 50-Prozent-Stelle im Krankenhaus am Ende des Monats aufs Konto überwiesen. Wenn sie darüber nachdenkt, was sie während ihrer Ausbildung an Wissen erlangt hat und wie viel Verantwortung sie in ihrem Job hat, muss sie erst mal tief durchatmen, weil sie die Höhe ihres Gehalts als ungerecht empfindet.

Verabreicht die Krankenpflegerin zum Beispiel einem Patienten ein Medikament, ist sie verpflichtet, die Dosierung, die der Arzt angeordnet hat, fachlich zu überprüfen, erklärt Jana. Sollte die Höhe der Dosierung dem Patienten schaden, würde die Krankenpflegerin im Zweifelsfall zur Verantwortung gezogen, weil sie diejenige war, die das Mittel gegeben hat.

"Das Fachwissen, das man durch eine dreijährige Ausbildung bekommt, ist das eines Staatsexamens. Ich habe ein Staatsexamen geschrieben. Das verdient ein anderes Gehalt und das macht mich so wahnsinnig wütend!"
Jana, Gesundheits- und Krankenpflegerin

Mehr für Pflegekräfte tun

Jana möchte, dass Pflegeberufe besser bezahlt werden. Deswegen studiert sie neben ihrem Job im Krankenhaus und setzt sich beim Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe für junge Kolleginnen und Kollegen ein.

Der Deutsche Pflegerat zum Beispiel fordert, Pflegekräfte bei Berufseinstieg mit 4000 Euro brutto im Monat zu entlohnen. Damit wären sie ungefähr auf einem Gehaltslevel wie Ingenieurinnen und Ingenieure.

Würden Pflegekräfte so bezahlt wie Ingenieur*innen, würden sie entsprechend der Anforderungen und Belastung ihres Berufs entlohnt. Das hat die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung 2018 in einer Studie untersucht. Dafür wurden für verschiedene Berufe Punkte vergeben. Zu den Kriterien gehörten beispielsweise Fachkompetenz, Belastung und Verantwortung (siehe Seite 63).

Dass Jana und ihre Kolleg*innen mehr Geld bekommen, könnte auch denjenigen nutzen, die sie pflegt, findet sie. Denn: Ein besser bezahlter Job würde vielleicht auch mehr Menschen in die Pflegearbeit holen – was wiederum den Patient*innen zugute kommt.

Dieser Beitrag ist Teil der Denkfabrik "Von der Hand in den Mund – Wenn Arbeit kaum zum Leben reicht".

Dieses Jahr beschäftigen wir uns mit Menschen, die arbeiten gehen, deren Verdienst aber nicht reicht, um zu sparen. Diese Jobs haben sie sich in vielen Fällen ausgesucht, weil sie die Arbeit, die sie tun, wirklich lieben. Solche Menschen, ihre Berufe, Perspektiven und Überlegungen stellen wir in dieser Reihe vor. #lovemyjob wird in loser Reihe fortgeführt.