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Julia Barbarino wollte schon als junges Mädchen einen eigenen Bauernhof haben. Diesen Traum lebt sie mittlerweile zumindest für ein paar Wochen im Sommer. Seit 2008 arbeitet Julia als Sennerin auf verschiedenen Almen in Österreich.

Der Alltag auf der Alm beginnt für Julia Barbarino immer gegen halb sechs Uhr morgens. Als erstes muss sie Feuer machen, denn Strom und damit automatisch warmes Wasser gibt es auf der Alm nicht. Danach holt sie meistens die Kühe, die die Nacht auf der Weide verbracht haben, wieder in den Stall zurück, um sie dort zu melken. Erst nachdem sie alle Kühe gemolken und das Melkgeschirr gewaschen hat, gibt es den ersten Kaffee. Das ist meistens so gegen halb zehn.

Das Frühstück bereiten oft schon ihre Kinder vor, die Julia in den Sommern mit auf die Alm nimmt. Beim Essen kann die Teilzeit-Sennerin dann auch endlich den wunderschönen Ausblick genießen – nur Berge und Wiesen sind zu sehen, erzählt sie. Und ab und zu Wanderer.

"Die Hütte ist wirklich mitten im Niemandsland und du hast nur Berge und Wiesen um dich herum und ganz selten mal Wanderer."
Julia Barbarino, arbeitet in den Sommern als Sennerin auf Almen

Seit 2008 hat Julia Barbarino erst mit ihrer Schwester, dann zusammen mit ihren Kindern, fast jeden ihrer Sommer auf unterschiedlichen Almen in Österreich verbracht. Natürlich ist die Arbeit auf der Alm hart, sagt sie. Vor allem am Anfang, als sie sich kaum mit den Arbeiten einer Alm auskannte, gab es Momente, wo sie und ihre Schwester weinend im Stall saßen und nicht wussten, wie sie die Kuh an den richtigen Platz bekommen sollten.

Weniger ist mehr

Aber die Romantik, die viele mit dieser Lebensweise verbinden, die gebe es schon auch. Für sie als Familie ist die Almzeit immer das Highlight des Jahres. Sie finde es wichtig, ihren Kindern vermitteln zu können, dass man nur wenig im Leben braucht, um glücklich zu sein.

Mittlerweile kennt sich Julia nicht nur sehr gut mit den Arbeiten auf der Alm aus und ist seit 2010 auch gelernte landwirtschaftliche Facharbeiterin, sondern sie hat über ihre Sommer in den Bergen ein ganzes Buch geschrieben: "Auf der Alm" heißt es treffend.

Julia Barbarino und ihre Tochter sitzen zwischen Kühen beim Melken
© Julia Barbarino
Julia Barbarino und ihre Tochter beim Melken

Leben mit allen Sinnen

Für Julia ist das Leben auf einer Alm besonders reizvoll, da man alles viel intensiver wahrnehme: Mehr als Kuhglocken - eines der schönsten Geräusche für Julia - gebe es in den Bergen nicht zu hören. Man rieche und schmecke auch besser. Und da es weder Internet- noch Handyempfang gibt, kann man kaum abgelenkt werden.

"Du riechst, du schmeckst, du hörst irgendwie viel besser, weil es gibt nur das. Du lebst mitten in der Natur. Das ist eigentlich das Schöne."
Sennerin Julia Barbarino über das Leben auf einer Alm

Und auch alltägliche Dinge, wie beispielsweise die morgendliche Dusche, sind auf einer Alm ein kleines Erlebnis. Auf manchen Almen gab es richtige Duschen, auf anderen Almen müssten sie das Wasser erst in einem Eimer auf dem Holzofen erwärmen und dann einzeln mit Messbechern herausholen. Aber auch das kann echt romantisch sein, verrät Julia.

Julia Barbarino in einer Badewanne mit Blick auf die Berge
© Julia Barbarino
Julia Barbarino hat extra eine Badewanne für ein wenig Almwellness hoch in die Berge getragen.

Eines der ganz besonderen Highlights für Julia: Auf eine der Almen hat sie eine alte Badewanne aus Gusseisen ihrer Großeltern hochgeschleppt. Unter der Badewanne hat sie dann Feuer gemacht, um das Wasser warmzuhalten. Dann noch schön Kerzen angemacht – fertig war die Almwellness. Für Julia sei das "pures Glück" gewesen. Im Juli dieses Jahres geht Julia wieder auf eine Alm. Endlich den Sorgen aus dem Tal zu entfliehen, darauf freut sich Julia am meisten.

"Wenn du da oben am Berg bist und nach unten blickst ins Tal, sind die ganzen Sorgen und Ängste viel weiter weg."
Julia Barbarino,

Julia Barbarino erzählt im Gespräch mit Anna Kohn auch, wie es ist, bei der Geburt eines Kalbs dabei zu sein und wie man überhaupt eine Alm zum Arbeiten als Sennerin findet. Außerdem berichtet Julia, was sie an der Milchindustrie von heute problematisch findet.