Die Heiligenlitanei bekommt Zuwachs: Am Wochenende werden die Päpste Johannes Paul II und Johannes XXIII. in den illustren Kreis von über 6000 verehrungswürdigen Menschen aufgenommen. Bei so viel Heiligkeit verliert der ein oder andere Gläubige schon einmal den Überblick.

Große Ehre für Johannes Paul II. und Johannes XXIII.: Die beiden Päpste werden am Sonntagmorgen heiliggesprochen. Keine einfache Sache. Wer in diesen Kreis aufgenommen werden will, muss nämlich etwas ganz besonderes geleistet haben: Er muss ein Wunder bewirkt haben.

Bei Johannes Paul II. soll ein Bild gereicht haben: Eine Frau aus Costa Rica ist sich sicher: Ihr Aneurysma im Gehirn ist verschwunden, nachdem sie ein Bild von Johannes Paul II. gesehen hat.

Wunder oder nicht – wer überprüft das eigentlich? Ein Job für die Heiligenkommission, erzählt Vatikan-Korrespondent Gregor Hoppe. Im Fall von Johannes Paul II. schickte der Vatikan Ärzte nach Costa Rica, die überprüfen sollten, ob sich die Heilung wissenschaftlich erklären lässt oder nicht.

Staatsanwalt der katholischen Kirche

Das Besondere an der Heiligsprechung von Johannes Paul II. - das Verfahren verlief sehr rasch. In der Regel gelte: Eine Heiligsprechung braucht Zeit. Eine wichtige Rolle komme dabei dem Advocatus Dioboli zu, der sich Argumente ausdenken muss, die gegen die Heiligsprechung sprechen. Eine Art Staatsanwalt der katholischen Kirche. Der Unterschied zu einem weltlichen Gericht: Letztendlich habe die katholische Amtskirche immer das letzte Wort, sagt Gregor Hoppe. Johannes Paul II. habe allerdings immer gute Chancen gehabt, schnell heiliggesprochen zu werden. Der Grund: seine lange Amtszeit und sein Starpotenzial. Auch deshalb geht Gregor Hoppe davon aus, dass die Ärzte auf ihrer Mission in Costa Rica das eine oder andere Auge zugedrückt hätten.

Bleibt die alles entscheidende Frage: Warum braucht die Heiligenlitanei überhaupt Zuwachs? Die katholische Kirche sehne sich nach starken Vorbildern, sagt Gregor Hoppe. Für Gläubige sei es sehr wichtig, sich im Gebet an Personen zu wenden, die ihnen bekannt sind. Viele Katholiken verlieren allerdings langsam den Überblick: Über 6000 Heilige sind ihnen einfach zu viele.