Amazon hat schon länger ein Problem mit gefälschten Produkten. Um es endlich in den Griff zu kriegen, hat der Konzern jetzt eine eigene Abteilung gegründet. Amazon will sich mehr mit den Strafverfolgungsbehörden austauschen.

Gefälschte Angebote sollen zukünftig nicht nur schneller von amazon.de gelöscht werden. Die Plattform will sich auch verstärkt mit den Strafverfolgungsbehörden austauschen und ihnen so die Arbeit erleichtern. Eine langjährige Mitarbeiterin des US-Justizministeriums, die Amazon abgeworben hat, soll die neuen Strukturen aufbauen – zunächst mit einer kleinen Anzahl von Mitarbeitern. Das Team soll aber immer weiter wachsen.

Unregelmäßigkeiten früh erkennen

Die Spezialeinheit soll mit den Markenherstellern zusammenarbeiten und Daten auswerten, berichtet die FAZ: Daten, die direkt von den Amazon-Plattformen, aber auch von Zahlungsdienstleistern kommen. So lassen sich Unregelmäßigkeiten womöglich leichter erkennen als mit physischen Kontrollen.

"Bei allem Engagement: Amazon hätte auch gerne, dass die Regierungen mehr im Kampf gegen Plagiate tun."
Andreas Noll, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter

Amazon will aber auch die Regierungen in die Pflicht nehmen, berichtet unser Netzreporter Andreas Noll. Diese sollten den Behörden mehr Finanzmittel, Instrumente und Ressourcen zur Verfügung stellen. Nur so könnten eine Strafverfolgung effektiv sein und kriminelle Fälscher vor Gericht gebracht werden.

Fälschungen sind ein Riesenproblem

2018 hätte die US-Behörden zehnmal so viel gefälschte Waren an den Grenzen beschlagnahmt wie zuletzt im Jahr 2000, berichtet Andreas Noll. Der Handelsbeauftragte der US-Regierung hat in diesem Zusammenhang bereits mehrfach Vorwürfe gegen Amazon erhoben, der Logistikkonzern würde zu wenig gegen Produktfälschungen unternehmen.

Amazon selbst sieht das Problem als so gravierend an, dass man im vergangenen Jahr sogar die Öffentlichkeit darüber in Kenntnis gesetzt hat. Denn perspektivisch schaden gefälschte Produkte natürlich der wirtschaftlichen Entwicklung – und das müssten dann die Aktionäre erfahren.

Amazon sagt: 99,9 Prozent der Produkte seien sicher

Schon damals hatte Amazon eine schärfere Gangart gegen die Produktfälscher angekündigt. Mit Hilfe Künstlicher Intelligenz wollte man das gesamte Angebot überprüfen. Inzwischen, betont das Unternehmen, seien 99,9 Prozent der Produkte sicher. Mehr als 8000 Mitarbeiter würden Betrug und Fälschungen bekämpfen.

Scheint ja nicht wirklich so perfekt zu funktionieren, wenn jetzt eine neue Abteilung gegründet werden muss, sagen die einen. Amazon hingegen meint: Stimmt nicht, es sei eher eine Erfolgsgeschichte: Mehr als sechs Milliarden mutmaßlich unzulässige Angebote habe man blockiert, über zweieinhalb Millionen verdächtige Amazon-Konten wurden gesperrt. Wer Opfer eines Betrugs wird und bei Amazon ein Plagiat kauft, bleibe meistens nicht auf seinen Schulden sitzen, so unser Netzreporter. Die Kulanz des Unternehmens bei solchen Fällen sei in der Regel groß.