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Wer bei Amazon einkauft, kennt die Produktbewertungen. Je mehr "5 Sterne" ein Produkt bekommt, umso höher wird es gelistet. Das Problem: Viele dieser positiven Bewertungen werden gekauft.

Die Produktbewertungen auf Amazon sind maßgeblich dafür, wie erfolgreich ein Produkt auf der Plattform des Online-Händlers ist. Wer "Korkenzieher" sucht, erhält eine lange Liste von Korkenziehern und ähnlichen Gegenständen. Ganz oben gibt es oft die Empfehlung "Amazons Choice", dann folgen die Produkte mit den besten Bewertungen.

Englische Verbraucherschützerinnen und Verbraucherschützer haben nun geprüft, ob diese Rezensionen und Bewertungen echt sind. Ihr klares Urteil: Es gibt definitiv ein Problem mit gefaketen, gekauften Produktbewertungen und zwar in ganz großem Umfang.

Verbraucherschützende wollen Rezensionen kaufen

Das Team von "Consumers' Association" hat sich selbst als Händler auf Amazon Marketplace ausgegeben. Sie haben sich bei zehn Webseiten angemeldet, auf denen positive Produktrezensionen angeboten, vermittelt und verkauft werden.

Schwierig war das nicht, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Michael Gessat: "Die stehen frei im Netz, und ein Anbieter, den die Verbraucherschützer kontaktiert haben, der sitzt hier in Deutschland." Dieses Unternehmen hat laut eigener Angaben rund 62.000 Produkt-Rezensierende weltweit unter Vertrag.

"Eine Amazon-Rezension ist im Vergleich zu gekauften Twitter- oder Facebook-Followern oder Likes ziemlich teuer: 15 Euro."
Michael Gessat, Deutschlandfunk Nova

Die Verbraucherschützenden aus Großbritannien sind dann von dem Review-Unternehmen kontaktiert worden, berichtet "Consumers' Association". Es wurde besprochen, was für eine Kampagne am besten passt, welche Produkte sie verkaufen wollen, wie hoch sie sich in der Amazon-Trefferliste positionieren wollen und wie viel Geld das alles kostet.

Rund 5.000 Euro für 500 Rezensionen auf Amazon

Eine gekaufte Amazon-Rezension kostet dort 15 Euro. "Das ist im Vergleich zu gekauften Twitter- oder Facebook-Followern oder Likes ziemlich teuer", sagt Michael, "aber dafür verspricht der Anbieter auch eine Rezension mit mindestens zwei kompletten Sätzen."

Außerdem gibt es Mengenrabatt laut dem Bericht von "Consumers' Association": 500 Rezensionen für 4.999 Euro. Es gibt auch Flatrates und Sonderaktionen.

Fake-Bewertungen sind schwer zu entlarven

Unter Umständen können diese falschen Bewertungen gar nicht so leicht erkannt werden. Das Review-Unternehmen wirbt etwa damit, dass die Produkttesterinnen und -tester den Artikel tatsächlich bestellen, das sind also bestätigte Verkäufe. "Wie das dann genau läuft, ob die das dann wieder retournieren oder bei Billigartikeln behalten, ist mir etwas schleierhaft ", sagt Michael Gessat.

Erlaubt sind gekaufte Bewertungen eigentlich nicht. "Wobei da ja auch schon wieder ein gewisser Graubereich ist, weil Amazon ja selbst bestimmte Premium-Rezensenten mit Artikeln zum Testen versorgt", so unser Deutschlandfunk-Nova-Reporter.

"Als Käufer empfiehlt sich immer, auch bei tausenden positiven Bewertungen und 'Amazon Choice'-Label, intensiv in die Rezensionen reinzulesen."
Michael Gessat, Deutschlandfunk Nova

Klar ist aber: Gekaufte Bewertungen gibt es massenhaft. Als Käufer empfiehlt es sich darum immer, auch bei tausenden positiven Bewertungen und "Amazon Choice"-Label, intensiv in die Rezensionen reinzulesen, sagt Michael Gessagt: "Wenn dann da vier, fünf Rezensionen drunter sind, wo steht 'Totaler Schrott, fällt nach einem Monat auseinander', dann lässt man besser die Finger davon."