Jeder von uns möchte selbst über sein Leben bestimmen. Wir wollen eigenständig festlegen, wie wir unsere Zukunft gestalten. Dummerweise gibt es dabei ein uraltes, klitzekleines Problem: den Zufall. Ein Vortrag von Hartmut Böhme.

Noch nicht einmal für die Existenz unserer Welt gibt es einen guten Grund, wenn man den Philosophen glaubt. Wenn selbst die Welt nur zufällig ist, ist dann alles sinnlos? Keineswegs, der Zufall ist eine Herausforderung, der wir uns stellen sollten. Es lohnt sich, genauer hinzugucken, was es mit ihm auf sich hat und welchen Raum wir ihm in unserem Leben geben.

"Es ist eine alte Erfahrung, dass das Hin und Her, das Auf und Ab des Lebens weder gewusst noch beherrscht werden kann."

Hartmut Böhme ist Kulturwissenschaftler. Seine These: Unsere Einstellung zum Zufall hat sich im Laufe der Jahrhunderte massiv verändert. Der altrömische Dichter Ovid, zum Beispiel, spricht von der ziellos umherschweifenden Fortuna, die sich in nichts gleich bleibt, außer in ihrer Veränderlichkeit.

"Nicht nur jede Handlung sondern das Subjekt selbst ist kontingent."

So eine Sicht auf den Zufall hat starke Konsequenzen: Zum Beispiel lässt sie keinen Raum für die Idee, dass wir scheitern könnten in unserem Leben. Denn Scheitern setzt voraus, dass wir überhaupt eine gewisse Autonomie haben.

Der Zufall ist eine Gelegenheit

Heute sehen wir das ganz anders, sagt Hartmut Böhme. Wir verstehen den Zufall als etwas, das man beim Schopfe packen muss, als eine Unwägbarkeit, ein Risiko, das auch ungemeine Chancen birgt. Risikofreudigkeit wird damit zur Tugend. Eine Tugend, die reichen Bankern den richtigen Thrill bringt und diejenigen, die wenig haben, noch weiter abhängt.

Hartmut Böhme hat seinen Vortrag am 12. November 2018 im Rahmen der Akademievorlesung der Heidelberger Akademie der Wissenschaften gehalten. Er hat den Titel "Zufall in der Geschichte, Geschichte des Zufalls".

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