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Ameisen haben viele Vorteile – doch einige Arten sind invasiv und brechen gerne aus. Diese sollten besser nicht als Haustiere gehalten werden.

Ameisen sind eigentlich gute Haustiere. Sie brauchen auch in Gruppenhaltung nicht allzu viel Platz, bleiben an einem Ort und sie knabbern nicht an wertvollen Gegenständen und Möbeln herum. Kot und Urin entstehen in übersichtlichen Mengen und sie fressen den Haltenden nicht die Haare vom Kopf. Als Behausung eigenen sich transparente Nestkonstruktionen. In diesen Formicarien hausen die Ameisen dann und lassen sich dabei gut beobachten.

Nur manche der rund 13.000 Ameisenarten machen Probleme. In freier Wildbahn leben die meisten von ihnen in den Tropen, einige in den subarktischen Zonen Sibiriens. Manche Ameisenarten lassen sich kolonieweise im Ameisenhandel bestellen - online.

Messor barbarus: Meisterin im Ausbrechen

Zum Einstieg empfiehlt der Handel ein Set inklusive Messor barbarus. Eine europäische Art also, die allerdings gerne ausbricht und sich außerhalb ihres Nests ansiedelt. Ab einer gewissen Koloniegröße seien Tiere dieser Art wirkliche Monster im Ausbrechen. So lautet die Beschreibung zum Flucht- und Ausgründungsinstinkt der Tiere, die Deutschlandfunk-Nova-Reporter Stephan Beuting in einem Ameisenforum gefunden hat.

"Messor barbarus kommt aus dem Mittelmeerraum, sammelt Körner, bewegt sich gerne auf langen Ameisen-Straßen und steht im Ruf, gut ausbüchsen zu können."
Stephan Beuting, Deutschlandfunk-Nova-Reporter
Ebenfalls zur Heimhaltung geeignet: eine kleine Kolonie von Ameisen der Art Formica fusca
© Deutschlandfunk Nova ,
Ebenfalls als Haustier geeignet: eine kleine Kolonie von Ameisen der Art Formica fusca in ihrem Formicarium

Viele der Geschichten über Ameisenausbrüche enden glimpflich. Manche Arten richten allerdings massiven Schäden in Ökosystemen an, in denen sie fremd sind – Schlagwort invasive Arten.

"Wenn gebietsfremde, invasive Ameisen angeschafft werden, können diese superkolonial werden und erhebliche Schäden hervorrufen, wie ein Flächenbrand."
Bernhard Seifert, Ameisenforscher beim Senckenberg-Museum Görlitz

Viele der invasiven Arten, sagt Bernhard Seifert, haben gleich mehrere Königinnen und gründen mit großer Leichtigkeit neue Ameisenkolonien. "Die können aus ganz wenigen Fragmenten, da reichen ein paar Arbeiterinnen mit ein paar Larven und Puppen, vollständig neue Kolonien gründen", sagt der Ameisenforscher.

Messor barbarus ist zwar gebietsfremd, aber nicht invasiv. Solenopsis invicta unter Umständen schon. Für Menschen sind ihre Bisse äußerst schmerzhaft, manchmal führen sie zu allergischen Reaktionen, in einigen Fällen zum Tod. Die Feuerameise breitet sich seit Jahren in den USA aus, nistet sich auch gerne in elektrische Anlagen ein.

Viele invasive Arten im Handel

Die Kosten für Bekämpfungsprogrammen und Ernteeinbußen in der Landwirtschaft durch diese Art, belaufen sich in den USA auf geschätzte 600 Millionen Dollar. Insgesamt zählen über zwölf Prozent der im Netz gehandelten Tierarten zu den invasiven Spezies. Das haben Biologen vom Institut für Ökologie und Evolution in Lausanne ermittelt.

Falsche Beratung durch Händler?

Selbst Stephan könnte eine Kolonie Feuerameisen bestellen. Der Händler hält sie für harmos, weil sie sich hierzulande nicht vermehren würde, wenn sie ausbreche.

Bernhard Seifert ist diesbezüglich eher skeptisch. In Köln ist vor Jahren eine Kolonie einer Blattschneiderameisen-Art ausgebrochen und entlaubte einen benachbarten Garten. Sie können hierzulande zwar nicht überwintern, dennoch rät der Ameisenforscher, auf exotische und auch auf gefährdete Tierarten zu verzichten.

Eine nicht-gefährdete, einheimische Ameise. Das würde ich empfehlen."
Bernhard Seifert, Ameisenforscher beim Senckenberg-Museum Görlitz