Ein Mann geht zum Zahnarzt. Nach der Behandlung kann er sich nur noch an die jeweils vergangenen 90 Minuten erinnern - sonst ist alles weg.

"Einmal bitte Wurzelbehandlung", sagte William, ein in Deutschland stationierter britischer Soldat. Das war am 14. März 2005. Und das ist das Einzige, an was sich William seit der Behandlung erinnern kann. Wer den Film "Und täglich grüßt das Murmeltier" kennt, kann sich ungefähr vorstellen, wie sich William fühlt. Jeden Morgen wacht er auf im Glauben, es sei der 14. März 2005 und er müsse gleich zum Zahnarzttermin. Nichts, was seitdem geschah, kann William erinnern. Hat die Wurzelbehandlung, das Anästhetikum, die Amnesie ausgelöst?

Seitdem kann sich William maximal an 90 zurückliegende Minuten erinnern. Williams Frau erinnert sich, dass er nach der Behandlung blass und kaum in der Lage war, aufzustehen. Er wurde drei Tage lang stationär beobachtet. Weil er sich von seiner geistigen Umnebelung nicht mehr erholte, kehrte die Familie zurück nach England. Dort suchte William den Psychologen Gerald Burgess auf.

Fehlendes Protein?

Nach vielen Untersuchungen vermutet Gerald Burgess, dass William ein bestimmtes Protein fehlt, mit dem die Synapsen im Gehirn umgebaut werden, so dass Erinnerungen gebildet werden können. Weil sich der Psychologe aber nicht sicher ist, hat er den Fall jetzt in der Fachzeitschrift Neurocase journal veröffentlicht in der Hoffnung, dass Kollegen ihm bei der Lösung des Rätsels helfen können.

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