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Joe Biden hat sein Amt als neuer US-Präsident angetreten. Einer fehlte: Donald Trump. Vermisst wurde er nicht. Es gab viele berührende Momente und vor allem war alles so normal. "Das war ein erlösendes Gefühl", sagt der Dlf-Korrespondent in Washington, Thilo Kößler.

Bei strahlendem Wetter unter blauem Himmel haben die Feierlichkeiten zur Amtseinführung des neuen US-Präsidenten Joe Biden stattgefunden. Über 25.000 Soldaten und Soldatinnen der Nationalgarde haben rund ums Kapitol in Washington für Sicherheit gesorgt. Die Sorge nach dem Sturm von Trump-Anhänger auf das Kapitol am 6. Januar war groß.

Corona-bedingt ist die Antrittsfeier sehr viel kleiner als üblich ausgefallen. Zuvor wurde an die Menschen appelliert, sie sollen zu Hause bleiben.

Joe Biden ist der 46. Präsident der USA

An die Antrittsrede von Joe Biden waren hohe Erwartungen gerichtet. Der Stil Joe Bidens unterscheidet sich wesentlich von dem Donald Trumps: Er spricht, ohne zu drohen und Gehässigkeiten zu verteilen. Auch deshalb war es ein Tag großer Erleichterung, aber auch Ernsthaftigkeit, sagt Thilo Kößler.

Joe Biden wird als Präsident der USA vereidigt. Neben ihm stehen seine Frau Jill und seine beiden erwachsenen Kinder (20.01.2021).
© imago images / UPI Photo
Joe Biden und seine Frau Jill bei der Vereidigung. Daneben ihre Kinder Ashley and Hunter.

Einen kraftvollen und magischen Satz hat es bei der Rede von Joe Biden nicht gegeben, dafür aber zentrale Botschaften: "Hier stehen wir nur wenige Tage, nachdem ein Mob gedacht hat, er könnte Gewalt anwenden, um den Willen der Menschen zum Schweigen zu bringen, die Arbeit unserer Demokratie zu beenden und uns von diesem heiligen Boden zu vertreiben. Es ist nicht geschehen. Es wird niemals geschehen. Nicht heute, nicht morgen, niemals." Die zweite zentrale Botschaft des US-Präsidenten war, dass er Brücken schlagen und versöhnen will.

"Eine Botschaft Bidens war, dass die Demokratie gesiegt hat. Und dass er Brücken schlagen und versöhnen will."
Thilo Kößler, Dlf-Korrespondent in Washington

Im Rahmen der Feierlichkeiten sind Lady Gaga und Jennifer Lopez aufgetreten. Ein Moment war besonders bewegend: Der Auftritt der 22-jährigen Lyrikerin und Aktivistin Amanda Gorman, die ein Gedicht vorgetragen hat, in dem sie über die gespaltene Gesellschaft spricht. Sie hat zu Einigkeit und Versöhnung aufgerufen.

Die Lyrikerin Amanda Gorman trägt beim Amtsantritt von US-Präsident Joe Biden ein Gedicht vor (20.01.2021).
© imago images I UPI Photo
Amanda Gorman machte mit ihrem Gedicht "Der Hügel, den wir erklimmen" deutlich, dass es einen Wandel braucht.

Nach dem Feierlichkeiten am Kapitol hat Joe Biden direkt mit seiner Arbeit begonnen. Nach seiner Ankunft im Weißen Haus hat er 15 Dekrete unterzeichnet: Neun davon nehmen Beschlüsse seines Amtsvorgängers zurück.

"Joe Biden hat direkt einen radikalen Kurswechsel eingeleitet."
Thilo Kößler, Dlf-Korrespondent in Washington

Dazu gehört die Rückkehr zum Pariser Klimaschutzabkommen; die USA werden in der Weltgesundheitsorganisation bleiben; der Mauerbau an der Grenze zu Mexiko wird gestoppt und anderes mehr.

Arbeit und Normalität im Weißen Haus

Die neue Regierungssprecherin Jen Psaki hat auch eine erste Pressekonferenz abgehalten. Keine Hass-Rhetorik und kein Vorwürfe gegenüber der Presse, sagt Thilo Kößler. "Es war eine ganz normale Pressekonferenz. Die erste nach vier Jahren."

Donald Trump ist vor der Amtsübergabe nach Florida abgereist. Er war der erste Präsident seit 150 Jahren, der seinen Nachfolger nicht im Weißen Haus begrüßt hat. Damit ist sich Trump treu geblieben, sagt Thilo Kößler. "Aufmischen, wo es geht. Normen brechen bis zum Schluss". Vermisst habe ihn in Washington am Tag der Machtübergabe niemand.