In 60 Tagen ist Ana Zirner einmal quer durch die Alpen gelaufen und geklettert. Sie war alleine unterwegs, hat mit Tieren gesprochen und viel nachgedacht: Auf jeder Etappe über ein anderes Thema.

Wann hat man schon mal Zeit, über sich selbst nachzudenken? Ana Zirner hat sich gleich 60 Tage dafür genommen und hat das gemacht, was sie gerne macht: Bergsteigen. Und das war dann auch der Arbeitstitel ihres Projektes: Tag und Nacht unter freiem Himmel.

In 60 Tagen hat Ana einmal die Alpen durchquert und meistens im Freien geschlafen. Ihr größter Luxus waren ein großes Handtuch und ein ätherisches Öl gegen unangenehme Gerüchte in Tälern und Dörfern - "weil man plötzlich wieder viel besser riecht, wenn man so lange draußen unterwegs ist", sagt sie. Sonst hatte sie nur das Nötigste dabei.

Ana Zirner mit Helm und Eispickel
© Ana Zirner

Ana sucht lieber die Orte auf, an denen nicht so viel los ist. Und Ruhe findet sie beim Gehen. Nicht nur deshalb haben sich die Alpen angeboten - Bergsteigen ist seit ihrer Kindheit ihr Ding.

Aber es sollte eben nicht nur einfach eine Trekking-Tour werden oder eine Alpenüberquerung. Ana wollte über sich und ihr Leben nachdenken, und so hat sie jeder Etappe ein bestimmtes Thema gegeben, zum Beispiel: Atmen. Rhythmus. Geduld.

Ein Biwakplatz in den Alpen
© Ana Zirner
Blick aus der Sentinellascharte in den Dolomiten
© Ana Zirner

In den Dolomiten war ihr Thema: Ehrlichkeit. "Die Themen fielen mir zu", sagt sie. So auch in den Dolomiten, die aus massiven, imposanten Felsformationen bestehen. Ana findet, das seien "ehrliche Berge", und so kam sie zu ihrem Etappen-Thema.


Zuviel Alleinsein kann seltsam machen

Die Tour hat sie verändert, sagt Ana. Sie sei ruhiger geworden. "Ich bin ja prinzipiell eher die Poserin. Davon konnte ich relativ viel ablegen." Auch ihr Bedürfnis nach Stadt und Partys sei nicht mehr so groß. Allerdings, sagt Ana, bestünde auch eine Gefahr: "Wird man vielleicht seltsam, wenn man so viel allein ist? Gewöhnt man sich ab, gut darin zu sein, Kompromisse einzugehen? Man muss aufpassen, dass man nicht zu sehr nach innen flüchtet."

Allein in den Bergen ist nicht ungefährlich

Dass andere Menschen ihr nacheifern und sich ebenfalls alleine auf eine Bergtour begeben, ist nicht unbedingt Anas Wunsch. Dennoch: Gemeinsam mit anderen in den Bergen unterwegs zu sein, ist weniger gefährlich. "Wer allein unterwegs ist, muss sich dessen sehr bewusst sein."