Muckis nach dem Teebeutelprinzip: Wenig Aufwand, maximaler Effekt! Das scheint mit Anabolika zu klappen. Obwohl mittlerweile eigentlich auch jeder weiß, dass die Mittel gesundheitsschädlich sind, nutzen trotzdem jedes Jahr mehr Menschen Anabolika.

Falls du selbst keine Anabolika nimmst, guck einfach nach rechts: Der Typ nimmt sie, und der ein paar Spinde weiter wahrscheinlich auch. Ein Fitnesstrainer geht davon aus, dass inzwischen unter jungen Männern jeder Dritte in einem Fitness-Studio mit Anabolika nachhilft. Diese Zahl lässt sich natürlich schlecht überprüfen. Was dagegen ein klareres Bild ergibt, sind die Angaben vom Zoll. Der berichtet, dass er Jahr für Jahr mehr Anabolika sicherstellt, in der Post, an Flughäfen oder in illegalen Laboren. Die Fälle haben sich innerhalb von zehn Jahren mehr als verzehnfacht.

Arzneimittelkriminalität: Ermittlungsverfahren des ZFD

​Quelle: Zollkriminalamt

Dabei ist schon seit einiger Zeit klar, dass die Mittel üble Nebenwirkungen haben können. Anabolika können zu Depressionen, schrumpfenden Hoden oder der Bildung von Busen beim Mann führen, weil sie in den Hormonhaushalt eingreifen. Einige der Pumper, die Anabolika nehmen, lassen deshalb auch bei befreundeten Ärzten zumindest ihre Herz- Nieren- und Leberwerte nachgucken. Einige nehmen auch weitere Medikamente gegen die Nebenwirkungen der Anabolika.

Besonders gefährlich sind Steroide aus unbekannten Quellen. Manche kommen aus unsauberen Untergrund-Laboren in Osteuropa, der Türkei oder Ostasien.

"Wir haben in einzelnen Fällen in Ampullen feststellen können, das Blut von Verstorbenen aufbereitet wurde. Das ist nicht nur gesundheitsgefährlich, sondern hat unter Umständen sogar tödliche Wirkung."

Anabolika gibt es zum Teil legal in der Apotheke - in Deutschland allerdings nur auf Rezept. Dabei handelt es sich dann vor allem um Testosteron, also das männliche Sexual- und Wachstumshormon, oder Abkömmlinge davon. Testosteron wird nicht als Pille genommen, wie man sich das bei Anabolika immer vorstellt, sondern gespritzt oder als Pflaster aufgetragen.

Weil die meisten für Testosteron kein Rezept bekommen, wird das Mittel schwarz gehandelt wie andere Anabolika auch. Dabei ist es nicht mal besonders schwierig, heran zu kommen: Die Steroide werden unter der Theke in einigen Sportnahrung-Shops verkauft, oder zum Teil in Fitnessstudios in den Umkleiden von Mitglied zu Mitglied vertickt. Im Ausland kann man die Mittel zum Teil legal in der Apotheke kaufen - allerdings wird man dann wahrscheinlich vom Zoll in Deutschland zum Gespräch gebeten.

Breites Kreuz, durchtrainiert - und das in kürzester Zeit

Die meisten Konsumenten von Anabolika sind Männer, vorwiegend 18 bis Anfang 20, aber auch etwas älter. Dazu gehören Führungskräfte genau so wie Gerüstbauer. Die Motivation dahinter sind echte oder vermeintliche Schönheitsideale: ein breites Kreuz, durchtrainierte Waden und generell ein muskulöser Körper.