2005 löst Angela Merkel die rot-grüne Koalition ab. Als erste Frau übernimmt sie das Kanzleramt. Drei weitere Legislaturperioden später vertritt sie Deutschland weiterhin als Bundeskanzlerin. Seitdem wurde sie hoch gelobt und stark kritisiert.

An den Abend vom 18. September 2005 werden sich wohl viele Menschen erinnern. Nach der Bundestagswahl sitzen die Parteispitzen zur sogenannten Elefantenrunde im Berliner Fernsehstudio und diskutieren über das Wahlergebnis.

Die SPD von Amtsinhaber Gerhard Schröder hat allen Umfragen zum Trotz erstaunlich gut abgeschnitten, ist aber knapp geschlagen. Auf Platz 1 liegt die CDU mit Angela Merkel als Spitzenkandidatin. Trotzdem beharrt Schröder darauf, dass die SPD den Kanzler stellen wird und schließt eine Große Koalition mit "seiner" SPD kategorisch aus.

Beginn Kabniett Merkel I

Es kommt anders und CDU/CSU und SPD bilden nach 1966 die zweite Große Koalition – diesmal unter der Kanzlerschaft von Angela Merkel. Zeitgleich zu Merkels Aufstieg beginnt der Abstieg der SPD.

15 Amtsjahre, viele Krisen

In die bislang 15-jährige Amtszeit der Bundeskanzlerin fallen die weltweite Finanzkrise nach der Pleite der Lehman Brothers, die Reaktorkatastrophe von Fukushima, die Flüchtlingskrise des Jahres 2015 und die Euro-Krise, die den Bestand der gemeinsamen europäischen Währung infrage stellte.

Für die einen hat Angela Merkel diese Krisen mit einer wissenschaftlichen Herangehensweise bewältigt und den Menschen Zuversicht gegeben, die Probleme zu bewältigen. Andere halten ihr vor, eine zu pragmatische Politik zu betreiben, die das eigentlich konservative Gerüst der CDU zu weit in die politische Mitte verschoben hat. Fest steht: Seit 2005 wurde sie drei weitere Male als Kanzlerin wiedergewählt.

Ihr hört außerdem in Eine Stunde History:

  • Biographin Jacqueline Boysen schildert Kindheit und Jugend der späteren Kanzlerin in der DDR.
  • Journalist Stephan Hebel nennt Angela Merkel "Mutter Blamage" und hält ihr einen neoliberalen Politikansatz vor.
  • Journalist Robin Alexander beobachtet die Kanzlerin seit vielen Jahren und analysiert den Satz "Wir schaffen das", mit dem Angela Merkel die Öffnung der Grenzen für Geflüchtete im Sommer 2015 gerechtfertigt hatte.
  • Deutschlandfunk-Nova-Geschichtsexperte Matthias von Hellfeld erläutert, wie es überhaupt dazu kam, dass Angela Merkel im Herbst 2005 bei vorgezogenen Neuwahlen die Chance auf das Kanzleramt bekam.
  • Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Christine Werner erinnert an den Wahlkampf zwischen der Herausforderin Angela Merkel und SPD-Amtsinhaber Gerhard Schröder.