Angela Merkel - Streichlerin, menschgewordene Raute, unerschrockene Entdeckerin des Neulandes. Vor allem aber Bundeskanzlerin - am Sonntag schon seit zehn Jahren.

Angela Merkels stärkster Satz: "Dann ist das nicht mein Land." Ulrike Winkelmann aus unserer Politikredaktion erklärt: Der Satz fiel, als der Kanzlerin vorgeworfen wurde, sie hätte die Grenzen für Flüchtlinge zu plötzlich geöffnet. Merkels Reaktion: Wenn wir angesichts der Situation nicht einmal ein freundliches Gesicht machen könnten, dann sei das eben nicht das Land, für das sie stehe. Merkels Umgang mit den Flüchtlingen sei insgesamt der stärkste Moment ihrer Kanzlerschaft gewesen. Sie stand enorm unter Druck und habe den Mut gehabt, Paragrafen beiseite zu lassen - und die Grenzen zu öffnen.

Angela Merkels größtes Talent: Sie hat eine überragende Auffassungsgabe, sagt Ulrike Winkelmann. Sie begreife schwierige Dinge schneller als die allermeisten um sie herum, könne das aber sehr gut verbergen. Die Folge: Ihre Gegner unterschätzen sie - und im entscheidenden Moment sei sie dann stärker. Und noch etwas unterscheide Angela Merkel von den meisten Mächtigen der Welt: ihre Bescheidenheit.

"Angela Merkel muss nicht glänzen, sie muss nicht das Maul vollnehmen - das unterscheidet sie von Staatsmännern, die wir sonst so kennen."
Ulrike Winkelmann aus unserer Politikredaktion

Wann man sich vor Angela Merkel in Acht nehmen muss: Das Umfeld der Kanzlerin sollte aufpassen, wenn sie jemandem das Vertrauen ausspricht. Eine Art Running-Gag, der bis ins Jahr 2009 zurückreicht. Diverse Politiker hatten sich selbst überschätzt und große Fehler begangen. Angefangen mir dem damaligen Verteidigungsminister Franz-Josef Jung, der nicht erklären konnte, warum die Bundeswehr in Kundus Bomben abgeworfen hatte. Der Minister hätte sich so tollpatschig verhalten, dass Merkel klar gewesen sei: Dieser Mann kann nicht im Amt bleiben, analysiert Ulrike Winkelmann. Die Taktik der Kanzlerin: Sie versicherte immer wieder, dass sie Franz-Josef Jung vertraue - und setzte darauf, dass ihr Parteikollege selbst begriff, dass er fehl am Platze war.

"Die Kombination von 'Ich vertraue dir total - ich vertraue dir dergestalt, dass du weißt, wann es Zeit ist, zu gehen" war eine Ironie, die die Öffentlichkeit sehr wohl begriffen hat."
Ulrike Winkelmann aus unserer Politikredaktion

Angela Merkels komischster Moment: In den zehn Jahren Merkel-Regentschaft gab es auch einiges zu Lachen. Ulrike Winkelmann erinnert sich besonders an Merkels ganz persönliches F-Wort. Bei einem IT-Gipfel zum Thema Breitbandausbau, wollte der Kanzlerin das Wort "Festnetz" einfach nicht einfallen. Das Besondere: Angela Merkel machte sich einfach über sich selbst lustig - und hatte das Publikum sofort auf ihrer Seite.

Und wie klingt sie, die Kanzlerin? Wenn es einen typischen Merkel-Sound gibt, dann ist das "Ähm", sagt Ulrike Winkelmann. Angela Merkel verstehe es, sich beim Reden Gedanken zu machen, die sich dann in diesem Stockgeräusch äußerten. Grundsätzlich gelte: Angela Merkel sei eine eher unbeholfene Sprecherin, nicht immer formuliere sie ihre Sätze korrekt zu Ende - und dann komme eben das "Ähm" zum Einsatz. Der große Vorteil der Kanzlerin: Selbst ihre schwache Rhetorik nehme ihr kaum einer übel - weil sie insgesamt so integer und klug rüberkomme.