Als Videospiel ist Animal Crossing gerade weltweit beliebt. Besonders seitdem das Coronavirus allgegenwärtig ist, dient das Spiel vielen Gamern als Pause von der Realität. Die US-Demokraten nutzen den Boom des Spiels jetzt für ihre Wahlkampagne und hoffen so, Wähler zu gewinnen.

Für viele Gamerinnen und Gamer ist Animal Crossing eine Möglichkeit, der realen Welt für eine Zeit lang zu entfliehen. Denn: Das Videospiel von Nintendo hat keine Mission.

Statt Gegner zu verfolgen oder ein bestimmtes Ziel zu erarbeiten, können sich die Spielenden als ihr Animal-Crossing-Charakter zurücklehnen und entscheiden, ob sie etwa Fischen gehen, gärtnern, Lieder singen oder den Himmel nach Sternschnuppen absuchen.

Auf ihrer eigenen Insel erschaffen sich die Gamer ihre eigene Welt. Animal Crossing ist damit ein maximales Eskapismus-Tool, erklärt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Sebastian Sonntag.

"Wenn die echte Welt zu verrückt wird, flüchten viele in die bunte Inselwelt von Animal Crossing."
Sebastian Sonntag, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Gerade seit Beginn der Corona-Pandemie ist Animal Crossing unter den Computerspielenden beliebt. Immer mehr von ihnen ziehen sich in der aktuellen Version "New Horizon" als ihr menschenähnliches Tier-Avatar in die Parallelwelt zurück.

Das haben auch die Wahlkampfstrategen im US-Wahlkampf verstanden. Denn: Seit Kurzem können Userinnen und User auf ihrer eigentlich realitätsfernen Insel auch ein politisches Statement setzen – mit den Wahlkampfschildern der US-Demokraten. Mit Aufschriften wie "Team Joe" oder "Biden-Harris" können Gamer die Schilder in Regenbogenfarben und anderen Designs zum Beispiel in ihren virtuellen Vorgarten stellen.

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Die Reaktionen der Spielerinnen und Spieler auf Twitter zeigt: Ihnen gefällt die Wahlkampfaktion der US-Demokraten, obwohl das Videospiel damit auch einen politisch Kontext erhält.

Dass Politikerinnen und Politiker Animal Crossing auch als Tool einsetzen, zeigen ähnliche Aktionen aus der Vergangenheit. Im Mai 2020 zum Beispiel war die demokratische US-Abgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez in dem Videospiel unterwegs, um dort mit Menschen in einen direkten Austausch zu kommen.

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Auch Aktivistinnen und Aktivisten der Protestbewegung in Hongkong haben Animal Crossing schon als Ort der Vernetzung genutzt. Und auch die Black-Lives-Matter-Bewegung ist Teil des Videospiels geworden. Für die ermordeten Afroamerikaner George Floyd und Breonna Taylor gibt es beispielsweise Gedenkstätten im Spiel.

Videospiel spricht breite Zielgruppe an

Als Ort für politische Botschaften funktioniere Animal Crossing deshalb, weil die Zielgruppe des Videospiels generationsübergreifend sei, erklärte Daniel Kreis, Professor für politische Kommunikation an der Universität von North Carolina, gegenüber dem US-Fernsehsender CNBC.

Einerseits würden Politiker und Aktivistinnen über das Game – anders als sonst – die Gruppe der 18- bis 24-Jährigen gut erreichen. Gleichzeitig würden sie sich mit älteren Wählerinnen und Wählern weiterhin vernetzen können, die Animal Crossing mit ihren Kindern spielen, so Daniel Kreis im Gespräch mit CNBC.

Haben Gamerinnen und Gamer wiederum keine Lust auf Wahlkampagnen, können sie aus ihren Inseln unpolitische Zone machen und eben weiterhin fischen oder nach Sternschnuppen suchen, fügt Sebastian Sonntag hinzu.