Wer am Tag der Arbeit nochmal so richtig die Ursprünge des Arbeiterkampfs nacherleben möchte, für den könnte das Spiel Anno 1800 das richtige sein. Dort könnt ihr euch ganz der Industrialisierung eures Imperiums hingeben.

"Mögen die herrschenden Klassen vor einer kommunistischen Revolution zittern. Die Proletarier haben nichts in ihr zu verlieren als ihre Ketten. Sie haben eine Welt zu gewinnen. Proletarier aller Länder, vereinigt euch!" Das sagte einst Karl Marx, der große Theoretiker von Kapital, Ökonomie und Kommunismus.

"Das Kapital" spielen, statt lesen

Wer am 1. Mai aber keine Lust hat, die 700 Seiten des Marxschen Standardwerkes "Das Kapital" zu lesen, dem möchte unsere Deutschlandfunk-Nova-Game-Expertin Jana Reinhardt eine Alternative vorschlagen: Im Aufbaustrategiespiel Anno 1800 geht es nämlich ebenfalls um Proletarier und ihre Arbeitskraft – und um die Industrialisierung, die die massive Veränderung der Menschheit vor über 200 Jahren in Gang gesetzt hat.

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Anno 1800 macht diese Industrialisierung erlebbar: Die Spieler bauen sich vom einfachen Dörfchen bis zur aufstrebenden Metropole mit mehreren Inseln und Kolonien in der sogenannten "Neuen Welt". Das Spiel feiert dabei damals brandneue Errungenschaften wie Dampfschiff, Elektrizität, Eisenbahn oder auch die Nähmaschine.

"Die Spieler werden in Anno 1800 zu perfekten Kapitalisten."
Jana Reinhardt, Deutschlandfunk-Nova-Game-Expertin

Wie die Bourgeoisie damals werden die Spieler zu "perfekten Kapitalisten", sagt Jana Reinhardt: Indem sie die Natur für Rohstoffe ausbeuten, ihre Bevölkerungszahlen in den Städten nach oben jagen und bauen, was das Zeug hält. Sie lassen die Produktivität wachsen, bis es eben auch mal zu Streiks kommt – genau wie in "Das Kapital" beschrieben.

Bauen für Hannah Goode

Diese komplexen 100 Jahre Weltgeschichte versucht Anno 1800 mit einer Familiengeschichte greifbar zu machen: Die Spieler bauen für Hannah Goode, die nach dem Tod ihres Vaters eine Insel erbt und dort durch den Wiederaufbau der Stadt "Ditchwater" das Ansehen ihrer Familie wiederherstellen möchte.

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Am Anfang ist das eigene Dörfchen noch sehr klein. Bis es gelingt, eine "richtige" Stadt hochzuziehen, ist einiges zu tun. Es geht darum, einen stabilen Wirtschaftskreislauf aufzubauen, also zum Beispiel Kartoffeln anzubauen, um daraus Schnaps für die eigenen Arbeiter zu brennen oder einen Holzfäller zu engagieren und ein Sägewerk zu bauen. Das Wichtigste: Die oder der Spieler muss alles im Überblick behalten und gut wirtschaften.

"Das Schwierige ist, dass alle Fabriken Rohstoffe bekommen, ich gleichzeitig genug Arbeiter habe und mit meiner Wirtschaft möglichst keine Verluste mache."
Jana Reinhardt, Deutschlandfunk-Nova-Game-Expertin

Am Ende geht es darum, in der Lage zu sein, das große Endgebäude aufzubauen - im Fall von Anno 1800 ist das die Weltausstellung.

Umweltverschmutzung und Kolonialismus kommen zu kurz

Neben den positiven Errungenschaften der Zeit werden die negativen Folgen wie Ausbeutung und Umweltverschmutzung eher nur angedeutet. Im Fall von Sklaverei und Kolonialismus werden sie sogar ganz unter den Tisch gekehrt. Trotzdem passt das Thema der Industrialisierung in Anno 1800 wie die emporgereckte Arbeiterfaust aufs Auge, sagt unsere Game-Expertin.

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