Wir klettern freiwillig auf einen Berg – und auch wieder runter. Wir lösen in unserer Freizeit schwere Kreuzworträtsel. Aber warum? Dahinter steckt das sogenannte Anstrengungs-Paradoxon, erklärt Neurowissenschaftler Henning Beck.

Für dieses Paradox gibt es unterschiedliche Erklärungen. Eine ist, dass man eine anstrengende Aufgabe gar nicht als so anstrengend empfindet, sagt Henning Beck: "Also man schaut von draußen drauf und denkt sich: 'Ach ja, das wird wohl nicht so schlimm werden.'" Eine andere Erklärung ist, dass wir die Aufgabe so gut können, dass wir sie nicht mehr als so schwierig betrachten. Henning Beck zum Beispiel fährt gerne Rennrad. Er sagt: "Wenn ich jetzt viel Rennrad fahre, macht es mir irgendwann nichts mehr aus." Und es gibt auch noch die Erklärung, dass Menschen eine Aufgabe, die sie unter Anstrengungen meistern, anschließend mehr wertschätzen.

"Es nennt sich in der Psychologie der Ikea-Effekt. Es liegt daran, dass Menschen ein selbst aufgebautes Regal später als wertvoller einschätzen als ein gekauftes Regal, auch wenn das gekaufte Regal sehr viel teurer ist. Die eigenen Arbeit wird am Schluss extra honoriert."
Henning Beck, Neurowissenschaftler

Psychologinnen aus Regensburg haben sich dieses Anstrengungs-Paradox nun genauer angeschaut. Sie wollten wissen, welche der Erklärungen wirklich zutrifft. Sie haben den am Test teilnehmenden Personen schwere Aufgaben und leichtere Aufgaben gegeben. Die schwere Aufgabe war: Man musste einschätzen, ob eine Zahl eine Primzahl ist. Und die leichtere Aufgabe war: Man musste sagen, ob ein Buchstabe näher an einem A oder an ein einem Z im Alphabet liegt.

"Und dann hat man die Leute diese Aufgaben machen lassen und ihnen dann irgendwann auch die Wahl gelassen, ob sie jetzt eine schwere oder eine leichte Aufgabe machen wollen."
Henning Beck, Neurowissenschaftler

Den Testpersonen wurde auch noch Geld für die Aufgaben geboten. Für die schwere Aufgabe doppelt so viel wie für die leichte Aufgabe. Der Betrag wurde stetig erhöht, um zu schauen, wann fangen die Leute an zu sagen: 'Ich mache lieber die leichte als die schwere Aufgabe.'

Die Bewertung von Anstrengung

Das Ergebnis zeigte: Es ist sehr unterschiedlich, wann wir eine Aufgabe als sehr schwer einschätzen. "Also das kann dann durchaus diesen Effekt haben, dass Menschen eher dazu bereit sind, eine schwierige Aufgabe zu übernehmen, weil es ihnen leichter fällt, als es aussieht", sagt Henning Beck. In der Pressemitteilung zu der Studie heißt es: "Die Ergebnisse unterstützen also die Annahme, dass aus beobachtetem Verhalten nicht notwendigerweise auf die der Handlung zugrundeliegende Anstrengung geschlossen werden kann."