Untersuchungen von Menschen, die an Covid-19 erkrankt und wieder genesen sind, zeigen, dass nach einer gewissen Zeit die Zahl der Antikörper sinkt. Das könnte bedeuten, dass eine Neuansteckung mit dem Virus möglich ist, und gegen eine lang anhaltende Immunität sprechen. Hoffnung gibt es aber trotzdem.

Immunität bedeutet: Der Körper wehrt sich erfolgreich und ohne äußere Symptome gegen bestimmte Krankheitserreger. Das Immunsystem erkennt Viren oder Bakterien, gegen die es sich schon einmal wehren musste, und weiß in etwa, was es tun muss, um sie zu bekämpfen.

Das funktioniert allerdings nicht bei allen Erregern: Während uns ein Schnupfen immer wieder aufs Neue erwischt, können wir nur ein einziges Mal an Masern erkranken – obwohl beides von Viren verursacht wird.

"Ist das Immunsystem gut vorbereitet, hat es einen großen Zeitvorsprung vor dem Erreger. Dann kann unser Körper den Erreger schon erledigen, bevor sich dieser überhaupt ausbreiten und uns krank machen kann."
Kathrin Baumhöfer, Deutschlandfunk Nova Wissensnachrichten

Ein Impfstoff stellt eine Infektion quasi nach, ohne dass der Körper tatsächlich am Virus erkrankt. Es gibt dabei verschiedene Formen: So können beispielsweise lebende oder tote Erreger als Impfung verabreicht werden, genbasierten Impfstoffe wiederum enthalten genetische Information eines Virus.

Das Prinzip ist aber immer das Gleiche: Der Körper soll dank des Impfstoffs die Merkmale des jeweiligen Erregers erkennen, damit das Immunsystem sich vorbereitet und den Krankheitserreger gut bekämpfen kann, sollte er tatsächlich infiziert werden.

Bei Impfungen funktioniert das unter anderem über Antikörper. Die passen ganz spezifisch zu den Erkennungsmerkmalen des Erregers, auf den das Immunsystem trainiert worden ist, und können dann schnell produziert werden, erklärt Kathrin Baumhöfer aus der Deutschlandfunk-Nova-Nachrichtenredaktion.

Tests an den ersten bekannten Corona-Fällen in Deutschland

Forschende aus München haben das Blut der ersten bekannten Coronafälle in Deutschland immer wieder untersucht. Dabei haben sie festgestellt: Die Antikörper, die Sars-CoV-2 abfangen, sind seit der Infektion Ende Januar immer weniger geworden.

Diese Zwischenergebnisse decken sich mit Erkenntnissen aus China, sagt Kathrin Baumhöfer: In einer Studie, die im Fachmagazin Nature Medicine erschienen ist, stellten die Forschenden fest, dass eine bestimmte Sorte von Antikörpern im Blut von Patienten um etwa zwei Drittel zurückgeht.

Studie konzentriert sich auf Erkrankte ohne Symptome

Die Forschenden in China untersuchten vor allem Erkrankte, die zwar das Virus in sich trugen, aber keine Krankheitssymptome vorwiesen. In dieser Gruppe fiel die sogenannte Immunantwort generell schwächer aus. Die Erkrankten hatten generell weniger Antikörper, die sich über die Zeit dann noch weiter reduziert haben.

Impfung trotzdem wahrscheinlich

Für einige Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen ist damit klar: Eine Neuansteckung ist möglich. Gesundheitspolitiker und Epidemiologe Karl Lauterbach twitterte, dass die Wahrscheinlichkeit für schnell entwickelte Impfstoffe nun zwar sinke – insgesamt sei eine Impfung aber dennoch wahrscheinlich.

"Antikörper sind nicht das einzige Mittel, mit dem sich der Körper gegen Viren wehrt. Auch T-Killer-Zellen können infizierte Körperzellen erkennen und abtöten."
Kathrin Baumhöfer, Deutschlandfunk Nova Wissensnachrichten

Denn es gibt Hoffnung. Antikörper sind nicht das einzige Mittel, mit dem der Körper gegen Viren vorgehen kann, sagt Kathrin Baumhöfer. Sogenannte T-Killer-Zellen, die Teil des Immunsystems sind, können vom Virus befallene Körperzellen erkennen und abtöten. Dafür müssen diese Zellen allerdings wissen, wie ein Virus aussieht.

Ergebnisse sind nicht endgültig

Die Forschenden aus München betonen außerdem: Es handelt sich bei ihren Ergebnissen um einen Zwischenstand. Es seien erst wenige Patienten untersucht worden. Außerdem geben sie auch Anlass für Zuversicht: Ihnen ist es nämlich gelungen, Antikörper nachzubauen, die das Virus abfangen.

Passive Immunisierung möglich

Damit könnte eine passive Immunisierung möglich werden. Diese Art der Impfung wird passiv genannt, da der Körper die Antikörper nicht selbst bildet. Das Problem hierbei: Diese Antikörper bestehen aus Proteinen und Eiweißen – sie halten sich nicht im Blut, sondern werden wieder abgebaut. Deshalb wird diese Methode auch zum Beispiel nur bei schwer kranken Patienten eingesetzt.