Viele träumen davon, ins All zu fliegen. Dabei müssen wir gar nicht so weit weg: Die Tiefsee ist mindestens genauso interessant – zumindest für die Forschung. Meeresbiologin Antje Boetius nimmt uns mit in eine Welt, die für die meisten von uns nicht erreichbar ist.

Antje Boetius wollte schon als Kind die Ozeane der Welt erkunden. Heute lebt sie diesen Traum. Sie ist Meeresbiologin und Tiefseeforscherin am Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven.

Wie im Weltall

Wenn sie mit einem kleinen Tiefsee-U-Boot in die Tiefe sinkt, hat sie manchmal das Gefühl, sich nicht nach unten, sondern weit nach oben zu bewegen. Wenn man in der Dunkelheit der Tiefsee aus dem Bullauge schaue, sehe man Vieles, was leuchtet. Quallen, Tintenfische, sehr viele Tiefseebewohner hätten fluoreszierende Eigenschaften entwickelt.

"Es funkelt und leuchtet und fühlt sich ein bisschen so an, wie ins Universum zu schauen."
Antje Boetius, Meeresbiologin und Tiefseeforscherin
Frau vor einem Forschungsschiff
© Alfred-Wegener-Institut | Schiller
Antje Boetius vor einem Forschungsschiff in der Arktis

Die Tiefe der See verbinden viele von uns mit Beklemmung und Gefahr – wahrscheinlich haben Bücher wie "Der Schwarm" von Frank Schätzing dazu beigetragen.

Einen Unfall mit einem Forschungs-U-Boot habe es aber noch nie gegeben, sagt Antje Boetius. Mehrere Sicherheitssysteme seien eingebaut – etwa ein Knopf, um vollautomatisch wieder aufzusteigen, wenn der Pilot in Ohnmacht fällt. Das Gefährlichste, was passieren könne, sei, sich in einem Fischernetz zu verfangen.

Greifarme und Sensoren

Die Forschungs-U-Boote haben einen oder zwei "Arme", um Dinge greifen zu können, außerdem zahlreiche Sensoren und Sonare, um die Landschaft zu scannen und Daten zu messen. Eine sehr starke Beleuchtung ermöglicht es den eingebauten Kameras, die Umgebung aufzuzeichnen.

"Wir können nur hinschauen, um das Leben in der Tiefsee zu verstehen. Wir können es nicht mit nach oben nehmen."
Antje Boetius, Meeresbiologin und Tiefseeforscherin

Zuletzt forschte Antje Boetius an großen Seebergen – etwa an erloschenen Vulkanen, die von besonderen Schwämmen, Tiefseekorallen und Mikroorganismen bevölkert werden. Zum einen war sie dafür in der Arktis und untersuchte Seeberge rund um den Nordpol, danach war sie in der Nähe der Azoren, um die Ergebnisse zu vergleichen. Denn beide – Arktis und Azoren – bekommen atlantisches Wasser.

Tiefsee und Klimawandel

Auch die Tiefsee verändert sich durch den Klimawandel sehr schnell. Die Liste der bedrohten Arten wächst. Die Wasserqualität verändert sich, dazu kommen Vermüllung, Überfischung und menschliche Eingriffe in die Tiefsee, sagt Antje Boetius. Durch all diese Einflüsse verändert sich die Zusammensetzung der Arten.

In der Tiefsee seien verhältnismäßig wenige Individuen unterwegs – genau deshalb seien Eingriffe und Veränderungen besonders gravierend. Die Forscherin, die auch bei Scientists for Future aktiv ist, setzt sich dafür ein, dass es in bestimmten Bereichen der Tiefsee ein totales Fischerei-Verbot gibt.

"Es ist etwas anderes, von den schmelzenden Polkappen zu lesen oder sie selbst zu sehen."
Antje Boetius, Meeresbiologin und Tiefseeforscherin

Dass das Meereis der Arktis ist immer weiter schmilzt, wissen wir aus den Nachrichten und hören es immer wieder. Antje Boetius hat es mit eigenen Augen gesehen. Ihre Forschungszeit in der Arktis bei minus 40 Grad beschreibt sie als besonders beeindruckend.