Apple wird sein geplantes Zukunftsauto iCar nicht mit einem deutschen Autobauer realisieren, berichtet das Handelsblatt. Aus dem Projekt Titan zusammen mit BMW und Daimler wird wohl nichts.

Amerikanische IT Konzerne…

  • …haben den Mobilfunkmarkt umgekrempelt und Firmen wie Nokia vom Markt gefegt
  • …haben mit Amazon den Versandhandel revolutioniert
  • ...haben die Musikindustrie das Fürchten gelehrt
  • …haben mit Airbnb das Hotel- und mit Uber das Taxigewerbe aufgemischt

Und jetzt bringen sie die deutschen Autobauer schwer ins Schwitzen: Mit Googles Selfdriving Car und Teslas Elektroauto machen sich amerikanische IT-Konzerne derzeit fleißig an die Demontage der soliden aber auch irgendwie verpennten, deutschen Auto-Industrie.

Titanen, die scheitern

Um doch noch mitzumischen beim Auto der Zukunft, wollten sich BMW und Daimler mit Apple zusammentun und auch ein tolles Future-Auto bauen. Doch diese Allianz ist jetzt gescheitert, wie das Handelsblatt berichtete. Apple will ein hochvernetztes Elektroauto bauen, das genau wie die von der Konkurrenz von Google und Tesla autonom fahren kann. Gescheitert ist die Zusammenarbeit zwischen Apples New-IT- und Germanys good Old-Auto-Industrie angeblich an zwei Fragen:

1. Wer übernimmt die Führung?

"BMW und Daimler wollen nicht Apples Foxconn sein", twitterte Apple-Blogger Neil Cybart über die gescheiterten Verhandlungen.

Foxconn ist der taiwanesische Konzern, der für Apple die iPhones zusammenschrauben darf.

2. Die Datenfrage

Das Handelsblatt berichtet, Apple wolle iCar eng in seine iCloud einbinden. BMW und Daimler wollten jedoch selbst die Kontrolle über die Daten behalten. Der Schutz der Kundendaten sei für BMW und Daimler, so heißt es, ein "wichtiger Eckpfeiler der Zukunftsstrategie".

"Das Scheitern ist für die deutschen Autobauer und für Apple gleichermaßen ärgerlich."
Martina Schulte, DRadio Wissen Netzreporterin

Apple hat aber zumindest schon einen Plan B. Die FAZ berichtete vor ein paar Tagen aus den üblichen "gut informierten Kreisen", dass Apple in Berlin eine Art deutsches Geheimlabor aufgebaut haben soll. Und das ist derzeit angeblich damit beschäftigt, deutsche Experten aus den Bereichen Ingenieurswesen, Software, Hardware und Vertrieb zusammenzukaufen: Laut FAZ allesamt "Hochkaräter aus der deutschen Automobilbranche." Relativ junge Leute mit einer "progressiven Denke", die in ihren alten Autokonzernen nicht weitergekommen seien.

Apple geht ähnlich wie Tesla vor

Anders als ein Hotel, ein Taxi oder ein Telefon ist ein Auto, wie das Manager-Magazin gerade schreibt, ein extrem komplexes Produkt. Den Markt kann man nicht so leicht an sich reißen. Deshalb hat zum Beispiel Tesla, die ja ihr Elektro-Auto schon bauen, viele Ingenieure von anderen Wettbewerbern abwerben müssen. Apple geht jetzt also einen ähnlichen Weg.

Bizarrerweise bedient sich Apples Personalabteilung dabei nicht nur bei deutschen Automobilkonzernen, sondern auch beim Konkurrenten Tesla. Die haben gerade deren Vice President of Vehicle Engineering abgeworben. Mit all dem Personal will Apple dann Gerüchten zufolge ein E-Auto bauen, wie das Blog t3n schreibt, einen City-tauglichen Kleinwagen. Den will Apple dann aber anders als Google oder Tesla nicht zum Kauf anbieten, sondern im Rahmen eines Carsharing-Dienstes in den Städten verteilen und vermieten.

Was machen die deutschen Autobauer?

Für die wird es schwer. BMW, Daimler und Audi haben ja gerade den Navigations-Dienst Here gekauft, um den Silicon-Valley-Größen Google und Apple die Stirn zu bieten. Denn beim autonomen Fahren ist die Navigation ein Kernpunkt. Aber ob das reicht?

"In Silicon Valley ist der Angriff auf die viele hunderte Milliarden schwere Autoindustrie längst angelaufen. Und das ist vor allem für Deutschland tricky."
Martina Schulte

Die deutsche Autoindustrie verkauft laut Economist jedes fünfte Auto weltweit. Um dem Schicksal der Musik- und Mobilfunkindustrie zu entgehen, wollen die deutschen Hersteller und Zulieferer laut dem Verband der Automobilindustrie 16 bis 18 Milliarden Euro in die Forschung zum vernetzten und automatisierten Fahren investieren.