Saudi-Arabien isoliert Katar. Iran macht Saudi-Arabien für die jüngsten Anschläge verantwortlich. Die Türkei stationiert Truppen in Katar. Die Situation auf der arabischen Halbinsel wird langsam unübersichtlich.

Im Streit in der Golfregion, bei dem mehrere arabische Länder ihre Beziehungen zu Katar abgebrochen haben, hält die Türkei zu dem kleinen Emirat. Am 7. Juni hat das türkische Parlament beschlossen, Truppen in den kleinen Golfstaat  zu verlegen. Doch warum springt die Türkei Katar zur Seite? 

Für die Türkei könnte es heikel werden

Die Beziehungen des Landes zu Katar sind eng, sagt die ARD-Korrespondentin Anna Osius: "Erdogan sieht sich ganz klar als Verbündeter von Katar". Die Türkei unterhält bereits eine Militärbasis in Katar mit 100 Soldaten. Rund 3000 Soldaten könnten jetzt noch hinzukommen, schätzt Osius.

"Das hat mit der Ideologie zu tun. Katar gilt als Hauptfinanzier der islamistischen Muslimbruderschaft. Der fühlt sich Erdogan und seine AKP politisch und ideologisch verbunden."
Anna Osius, ARD-Korrespondentin

Auch wenn es ideologisch deutliche Unterschiede gebe, Erdogan hat den Abbruch der diplomatischen Beziehungen von Seiten Saudi-Arabiens und anderer arabischer Staaten mit Katar scharf kritisiert. Auf der anderen Seite, sagt Osius, unterhält Erdogan aber auch gute Beziehungen zu Saudi-Arabien und anderen Golfstaaten:

"Nicht zuletzt kommen Saudis gerne in den Urlaub in die Türkei. Es gibt jetzt schon Boykottaufrufe, also das könnte für die Türkei noch heikel werden."
Anna Osius, ARD-Korrespondentin

Den Grundkonflikt am Golf gibt es schon länger: "Saudi-Arabien gegen den Iran. Zwei Großmächte in der Region. Saudi-Arabien sunnitisch, der Iran schiitisch. Und diese beiden Großmächte ringen um die Vormachtstellung in der Region", so Osius.

"Sie sehen sich gegenseitig derart als Erzfeind, dass es gleich mehrere Kriege in der Region gibt, die als Stellvertreterkriege ausgefochten werden: Einmal Syrien und der im Jemen."
Anna Osius, ARD-Korrespondentin

Dass es ausgerechnet jetzt zu einer neuen Eskalationsstufe gekommen ist, hänge stark mit dem Saudi-Arabien-Besuch von Donald Trump zusammen. Der US-Präsident hatte sich demonstrativ an die Seite der Saudis gestellt und den Iran verteufelt, sagt Anna Osius: "Deswegen fühlen sich die Saudis jetzt bestärkt, eigentlich alle in die Schranken zu weisen, die es wagen, überhaupt mit dem Iran zu reden." 

Rücken Iran und Katar jetzt näher zusammen?

Während Ex-US-Präsident Obama in seiner Amtszeit versucht hat, den Konflikt mit dem Iran zu entschärfen, ist sich Saudi-Arabien jetzt der Rückendeckung der Amerikaner wieder sicher, so Osius: "Unter Trump hat das dieses Machtgebaren zur Folge".

"Was sich jetzt grundlegend ändern könnte, ist, dass Katar möglicherweise näher an den Iran rutscht, also dass das Gegenteil von dem erreicht wird, was Saudi-Arabien will.“
Anna Osius, ARD-Korrespondentin

Der Iran hat angeboten, Lebensmittellieferungen nach Katar zu übernehmen. Ein Großteil der Versorgung lief bisher über die Grenze zu Saudi-Arabien. Wenn aus Iran und Katar womöglich Verbündete werden, dann wäre das in dieser Region geopolitisch sicher nicht ungefährlich, sagt Osius.