Netzlöcher, frische Luft, viele Kühe - so die allgemeine Vorstellung der Städter vom Leben auf dem Dorf. Dabei gibt es auf dem Land auch Karrierechancen. In der Ab 21 sprechen wir darüber, warum es Bock macht, auf dem Land zu leben und zu arbeiten.

Eva Meisenzahl studiert in München Medizin und will Landärztin werden. Deswegen macht die 22-Jährige auch ihr praktisches Jahr (PJ) in einem kleinen Landkreis. Eva ist überzeugt: Sie wird in ihrem PJ in einer Arztpraxis auf dem Land sogar mehr lernen, als ihre Kommilitonen in einer Klinik in der Stadt.

"Es ist sehr viel reizvoller, immer dieselben Patienten in der Praxis zu haben."
Eva Meisenzahl macht ihr PJ in einer Arztpraxis auf dem Land

Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Magdalena Neubig kommt aus einem 600-Seelen-Dorf in der Nähe von Erfurt und erinnert sich noch genau, wie ätzend es war, wenn man den letzten Bus verpasst hat. Auch wenn sie ihr Leben in Berlin jetzt genießt und hier bessere Jobchancen hat, wünscht sie sich, später wieder aufs Land zurückzukehren.

Karriere auf dem Dorf kann funktionieren

Ärzte, Ingenieure und IT-Fachkräfte haben besonders gute Aussichten, schnell einen passenden Job auf dem Land zu finden, sagt Job-Coach Mathias Fischedick. Ob das Leben und Arbeiten auf dem Land für einen persönlich eine Option ist, hänge sehr stark von den eigenen Werten und Charakterzügen ab.

Zahlen zum Leben auf dem Land

  • Die meisten Menschen in Deutschland würden lieber in einer Kleinstadt leben: 40 Prozent der Befragten einer Umfrage des ARD-Deutschlandtrends aus dem Jahr 2018 haben die Kleinstadt als bevorzugten Wohnort angegeben. 38 Prozent bevorzugen das Dorf, nur 22 Prozent wollen am liebsten in der Großstadt leben.
  • Knapp ein Fünftel der Menschen in Deutschland leben in Gemeinden mit der Einwohnergröße von 20.000 bis 50.000. Darauf folgt Großstadt ab 500.000 Einwohnern (16,8 Prozent) und Gemeinden zwischen 10.000 und 20.000 Einwohnern (14,9 Prozent).
  • Eine Studie des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung hat Kriterien dafür erstellt, was digital Arbeitende aus der Stadt dazu verlocken könnte, aufs Land zu ziehen: Dabei sei ganz wichtig, dass ein guter Breitband-Anschluss sowie gute ÖPNV-Möglichkeiten vorhanden sind. Gemeinsam mit Freunden und Familie in einen bestimmten Ort zu ziehen, sei auch ein guter Motivator. Denn der Wohnungsleerstand, der auf dem Land herrscht, würde für Städter grundsätzlich immer attraktiver werden.