"Stets zu unserer vollsten Zufriedenheit", "war sehr gesellig", "wünschen wir viel Gesundheit": Einige Formulierungen sind in Arbeitszeugnissen erlaubt, andere nicht. Wir erklären euch, worauf ihr achten müsst, wenn ihr nach einem Job oder einem Praktikum ein Zeugnis von eurem Chef bekommt.

Arbeitszeugnisse lesen sich meist ziemlich verschwurbelt. Da steht dann "stets zu unserer vollsten Zufriedenheit", "zu unserer vollsten Zufriedenheit" oder "zu unserer vollen Zufriedenheit". Was kompliziert klingt, ist eigentlich total einfach: jeder dieser Formulierungen kann eine Schulnote zugeordnet werden:

1 - "stets zu unserer vollsten Zufriedenheit"

2 - "stets zu unserer vollen Zufriedenheit"

3 - "zu unserer vollen Zufriedenheit"

4 - "zu unserer Zufriedenheit"

5 - "insgesamt/in der Regel zu unserer Zufriedenheit"

In 86 Prozent aller Arbeitszeugnisse werden übrigens die Noten 1 und 2 vergeben. Die Note 3 gilt aber weiterhin als durchschnittliche Bewertung. Wenn ein Arbeitnehmer eine bessere Note haben will als eine 3, muss er begründen, warum seine Arbeitsleistung besser war.

Schlechte Bewertungen schön verpackt

In Arbeitszeugnissen gibt es noch mehr Codes, die nichts Gutes heißen:

  • "war sehr gesellig" = die Person hatte Alkoholprobleme
  • "mit ihrer Bildung hat sie auch andere Mitarbeiter beglückt" = die Person war eine Plaudertasche
  • "arbeitet mit größer Genauigkeit" = die Person arbeitet sehr langsam
  • "gutes Einfühlungsvermögen" = die Person hat mehr geflirtet als gearbeitet

Wenn diese Formulierungen in euren Arbeitszeugnissen auftauchen, könnt ihr darauf bestehen, dass sie entfernt werden, erklärt der Anwalt Christian Solmecke.

"Solche Formulierungen müssen raus, sie sind verboten."
Christian Solmecke

Das Schlimmste zum Schluss

Steht in der Grußformel: "wir wünschen der Person alles Gute und viel Gesundheit", heißt das soviel wie, dass die Person die ganze Zeit krank war.

Und dann gibt es noch ein paar Detail, die ihr im Blick haben solltet: Lässt der Chef hinter einem Satz zwei Punkte stehen, deutet er daraufhin, dass er zu diesem Thema noch viel erzählen könnte. Und wenn der Chef seine Durchwahl in das Arbeitszeugnis schreibt, ist das kein gutes Zeichen: Damit fordert er den zukünftigen Arbeitgeber nämlich auf, ihn anzurufen, bevor er dich einstellt.

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