Mindestens 226 Frauen wurden allein dieses Jahr in Argentinien ermordet - von Männern. Nach einer erneuten Gewalttat gehen jetzt Frauen auf die Straße.

Die Zahlen sind krass: Etwa alle 36 Stunden stirbt in Argentinien eine Frau durch die Folgen von Gewalt. Die meisten davon sind Beziehungstaten und Sexualdelikte. Schon seit etwas mehr als einem Jahr, geht dagegen eine stärker werdende Frauenbewegung auf die Straße. Im Juni demonstrierten 200.000 für Frauenrechte.

Gestern protestierten wieder Zehntausende in der Hauptstadt Buenos Aires - nachdem ein neuer Mordfall bekannt geworden war: Ein 16-jähriges Mädchen war von zwei Männern brutal vergewaltigt und getötet worden.

Rückschläge, Druck, Streik

ARD-Südamerika-Korrespondentin Anne Herrberg berichtet, dass die extremen Zahlen Teil eines strukturellen Problems sind: "Die Diskriminierung, das muss man einfach sagen, ist sehr groß in Argentinien." Sie zeigt sich am Arbeitsmarkt, beim Gehalt und in den Gewalttaten. Und statt Verbesserungen gibt es eher mehr Rückschläge. Auch in der Hauptstadt. Hier wurde erst kürzlich das letzte Frauenhaus geschlossen, sagt Anne Herrberg.

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Unter dem Slogan #niunamenos (Keine Einzige weniger) organisieren sich die Frauen. Es sind nicht nur Proteste, zuletzt setzten sie auch auf das Mittel des Streiks. Viele Frauen legten die Arbeit nieder, darunter auch prominente Moderatorinnen. Auch andere zeigten ihre Unterstützung gegen die Gewalt, gegen die niemand vorgeht.

"Der Druck aus der Zivilgesellschaft wird größer."
Anne Herrberg, ARD-Südamerika-Korrespondentin

Selbst, wenn sich die Politik nur langsam bewegt: Der Druck nimmt zu. Auch auf juristischer Ebene. "Es gibt sehr mutige Richterinnen", sagt Anne Herrberg. Sie setzen sich juristisch ein, die Täter zur Rechenschaft zu ziehen. Denn auch die lasche Strafverfolgung ist nach wie vor ein Problem. Sie schaffen damit Beispielfälle, auf die man sich in Zukunft berufen könnte, erklärt die Südamerika-Korrespondentin.

Gewalt gegen Frauen gibt es aber nicht nur in Argentinien. Hier zeigt sie sich aber besonders extrem. In vielen Ländern Südamerikas will die Zivilgesellschaft diese Gewalt aber nicht mehr einfach hinnehmen, berichtet Anne Herrberg. Auch in Peru gab es zuletzt Massenproteste. Die Chilenen protestieren, um das restriktive Abtreibungsgesetz abzuschaffen. Sie wollen endlich eine Veränderung erreichen. Denn diese ist lebensnotwendig.