Ohne Planung und die Eidechsenangel geht es nicht. Der Biologe Marco Wagemann über seine Umzugsarbeit für den Artenschutz.

Artenschutz bedeutet eben manchmal, beim Umzug zu helfen. Der Biologie Marco Wagemann siedelt geschützte Eidechsen, Kröten und ihre Artgenossen um, wenn das beispielsweise wegen eines Bauprojekts notwendig ist. Das Interesse für Biologie im Allgemeinen und an Amphibien und Reptilien im Speziellen liegt bei Marco in der Familie. Die Fachbezeichnung für Biologen mit dieser Spezialisierung ist Herpetologe. Er ist mit mindestens zwei davon in seiner direkten familiären Umgebung aufgewachsen.

Nach seinem Biologiestudium in Stuttgart hat Marco ein naturschutzfachliches Büro gegründet. Er arbeitet an Gutachten, aber siedelt ganz praktisch auch geschützte Tiere um.

"Neben faunistischen Gutachten ist das Umsiedeln von geschützten Tierarten ein wichtiger Hauptzweck meiner Tätigkeit."
Marco Wagemann, Biologe, Landau

Zur Planung eines solchen Umzugsvorhabens wird die Fläche zunächst kartiert. Anlass für so ein aufwändiges Projekt ist die Erwartung, dass dort schutzpflichtige Tiere leben oder tatsächlich vor Ort Habitatsstrukturen sichtbar sind. Als Beispiele nennt der Biologe Mauereidechse, Zauneidechse und Wechselkröte. Mit der Kartierung werden Zahl und Art der zu transportierenden Tiere abgeschätzt und der Abfang, so nennt Marco das Einsammeln der Tiere, geplant.

"Wie viele Tiere tatsächlich auf dem Gelände vorkommen, sieht man erst, wenn man tatsächlich mit dem Abfang anfängt."
Marco Wagemann, Biologe, Landau

Dabei muss Marco auch mit den Ohren arbeiten. Raschelbewegungen können für bestimmte Eidechsenarten typisch sein. Er weiß dann nur vom Hören her, dass bestimmte Tiere in dem fraglichen Gebiet leben.

Angel als Fanginstrument für Eidechsen

Wann es dann mit dem Fangen losgehen kann, ist auch vom Wetter abhängig. Die Tiere müssen aktiv sein. Marco weist darauf hin, dass Reptilien wechselwarme Tiere sind, die ihre kompletten Lebensfunktionen nach der Umgebungstemperatur ausrichten. Anders als Säugetiere haben sie keine bestimmte Körpertemperatur.

Für Eidechsen nimmt Marco am liebsten die Eidechsenangel. Mit einer kleinen Schlaufe, Übung und viel Geschick lassen sich die Tiere damit schonend aufnehmen. Dann kann es für die Umsiedlung in ein Transportbehältnis gesetzt werden.

"Der Schlingenfang ist für geübte Fänger eine sehr erfolgsversprechende Fangmethode und auch eine sehr schonende für das Tier."
Marco Wagemann, Biologe, Landau

Grundsätzlich ist das Ziel, möglichst viele Tiere umzusetzen. "Alle Tiere zu erwischen, ist mit einer enormen Arbeits- und Zeitaufwand verbunden", sagt Marco. Die gefangenen Tiere werden in geeignete Ersatzhabitate umgesiedelt. Dort müssen ausreichend Flächen für die Nahrungssuche vorhanden sein, ausreichend Versteckmöglichkeiten und Sonnenplätze zur Verfügung stehen.

Neue Räume für die Umgezogenen

Wichtig ist auch, dass Überwinterungsbereiche dabei sind und Flächen zur Eiablage. Diese Ersatzlebensräume müssen neu geschaffen werden, damit sich die Tiere nicht unmittelbar mit ihrer tierischen Konkurrenz auseinandersetzen müssen. Das gehe auf Dauer nicht gut, sagt Marco.

Marco Wagemann, Biologe, Landau
"Wir können keine Tiere in ein Habitat verbringen, indem die gleiche Art schon vorhanden ist."

Tiere auf eigne Faust umzusiedeln ist übrigens keine gute Idee. Warum, das erklärt Marco im Gespräch mit Jenny Gärtner. Warum er für die Wechselkröte schwärmt und was die Umsiedlung von Quappen so schwierig macht, erfahrt ihr, wenn ihr mit einem Klick auf Play das ganze Gespräch anhört.