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Ein Video des Smithsonian National Zoo geht gerade viral: Es zeigt, wie zwei Riesenpandas im Schnee spielen. So weit, so süß. Das Ganze ist aber auch ein Problem. Wir sagen euch, warum.

Die beiden Riesenpandas Tian Tian und Mei Xiang rollen, rutschen und purzeln wie kleine Kinder durch den Schnee. Im Smithsonian National Zoo nahe Washington D. C. haben sie scheinbar den Spaß ihres Lebens und wir schauen uns das allzu gerne an. Erste Reaktion: Ooooh, wie süüüß! Völlig okay.

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Das Ganze ist aber nicht ganz unproblematisch, sagen Artenschützer. Die seltenen Pandas bekämen gerade sehr viel Aufmerksamkeit. Und wir Zuschauerinnen und Zuschauer würden uns dadurch eine Art heile Welt vorgaukeln. So im Sinne von: "Ach wie toll, dass es denen so gut geht und dass wir Menschen diese Tiere vor dem Aussterben bewahrt haben."

"Man sagt, hier ist ein Erfolg. Wo wir uns gleichzeitig im größten Massenaussterben der Welt befinden. Und wir als Menschen treiben dieses Aussterben voran."

Um die Artenvielfalt auf unserer Erde steht es nämlich leider ziemlich schlecht, berichtet Matthis Dierkes von Deutschlandfunk Nova.

Artenvielfalt bedroht

Seit 1970 sind die Populationen von Säugetieren, Vögeln, Fischen, Reptilien und Amphibien im Schnitt um fast 70 Prozent zurückgegangen. Laut Biodiversitätsrat der Vereinten Nationen (IPBES) sind aktuell zwischen einer halben und einer Million Arten vom Aussterben bedroht.

Auch der Panda ist tatsächlich ein gefährdetes Tier, klar. Er nimmt aber sozusagen nicht nur den tausenden anderen Tieren praktisch die "Sendezeit" weg, sagen Forschende. Sie haben auch festgestellt, dass der Schutz der Pandas anderen Tierarten schadet – zum Beispiel Kragenbären oder Moschustieren. Weil die nämlich in den Gebieten, in denen Pandas geschützt werden, nicht mehr so richtig gut zurechtkommen.

Panda-Schutz schadet anderen Tieren

Das Problem: Über diese Tiere bekommen die meisten Leute quasi gar nichts mit, wenn sie nicht aus irgendeinem Grund aktiv danach suchen. Wenn man sich die vielen bedrohten Spinnenarten anschaut, wird es noch deutlicher: Bei manchen Tieren fällt es uns einfach sehr viel schwerer, sie so knuffig und „schützenswert“ zu finden wie etwa die Pandas.

Das ist menschlich und das soll jetzt hier auch keine moralische Keule werden. Die Menschheit wird es leider nicht hinbekommen, es allen bedrohten Arten gleich gerecht zu machen.

Alles hängt zusammen

Es müsse noch viel mehr und häufiger erklärt und vermittelt werden, wie alles zusammenhängt, glaubt Matthis Dierkes. Zum Beispiel, wie wichtig Nahrungsketten sind. Beispiel Zecken. Für manche Vögel sind sie eine wichtige Nahrungsquelle.

"Es gibt zum Beispiel Vögel in Afrika, die sich von Zecken ernähren, die sich auf Rindern festgesogen haben. Die picken sie einfach ab."

Die Message: Auch vermeintlich "eklige" oder "unnütze" Tiere werden gebraucht. Forschende sagen: Wir dürfen uns einfach nicht mehr so sehr darauf konzentrieren, einzelne, besonders beliebte Lebewesen zu schützen. Das reicht nicht mehr. Sondern wir müssen viel mehr ganze Ökosysteme schützen.

Nicht einzelne Tierarten, sondern Ökosysteme schützen

Dieser Appell richtet sich natürlich an alle Menschen. Konkrete Weichen stellen muss aber die Politik. Im Mai 2021 soll die nächste Weltnaturschutzkonferenz stattfinden. Um das Artensterben langfristig noch aufhalten zu können, müsse sich die Weltgemeinschaft hier sehr ehrgeizige und deutliche Ziele für den Erhalt der Natur setzen, sagen viele Forscherinnen und Forscher.

Am 02.02.2021 ist dazu ein neues Gutachten vorgestellt worden im Auftrag der britischen Regierung, der Dasgupta-Report zur Biodiversität. Er enthält klare Forderungen – unter anderem die, bis 2030 ein Drittel der Erdoberfläche unter Schutz zu stellen. Momentan sind es an Land nur 15 Prozent und im Meer sieben Prozent.