Wenn Papiertüten leise knistern, Blätter rascheln, Tasten klackern: empfängliche Menschen mit ASMR können nicht genug davon bekommen. So wie unsere Autorin Lydia Herms.

Es kursieren eine Menge ASMR-Videos im Netz. Über 1,5 Millionen Videos spuckt allein Youtube zu dem Stichwort aus. Und in diesen Videos passieren kuriose Dinge: Menschen falten Handtücher zusammen, eine halbe Stunde lang, bürsten Haare, rascheln mit Papier, packen flüsternd Pakete aus oder säubern mit einem Pinsel die Computer-Tastatur.

Merkwürdig für Außenstehende, für Leute aus der Szene ein wahres Fest. Wie groß diese ASMR-Szene ist, weiß keiner genau. Und noch hat niemand das Phänomen wissenschaftlich untersucht. ASMR - das steht für Autonomous Sensory Meridian Response. Leute mit ASMR verspüren eine euphorische Reaktion auf zarte Reize, Trigger genannt. Mit einem Kribbeln im Kopf, einem wohligen, intensiven und angenehmen Schauder beschreiben sie, was mit ihnen passiert.

"Gänsehaut nach innen"

Unsere Autorin Lydia Herms kennt dieses Gefühl: "Es ist eine Gänsehaut nach innen. Ich befinde mich in einem Zustand der Ruhe - und der Aufregung", sagt sie. Und mit Sex habe das Ganze nichts zu tun. Am Liebsten mag sie die Videos, in denen gar nicht gesprochen wird, jemand Papier faltet oder Bügelperlen sortiert. Die vielen ASMRtists, wie sich die Video-Macher der Szene nennen, sehen sich eher als Künstler. Die Videos von Ephemeral Rift etwa erscheinen fast als eine Art meditative Geräusch-Performance.

"Wir sind weder krank noch irre", meint Lydia Herms. Letztens hat sich auch der Autor Clemens Setz in der Süddeutschen Zeitung geoutet. Und die ASMR-Community im Netz klärt auf und ermöglicht den Austausch der User in Foren. Auch ein E-Book gibt es nun über die Szene: "Killing Me Softly. ASMR-Videos auf YouTube", von Sylvia Lundschien.

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