Durch den Flüchtlingsstrom hat auch der Andrang auf Tafeln zugenommen, die Essen an Bedürftige abgeben. Jochen Brühl, Vorsitzender des Bundesverbandes Deutsche Tafel e.V., stellt klar: "Menschen in Not bekommen von uns Hilfe - auch Flüchtlinge."

Eigentlich sollten Flüchtlinge in Flüchtlingsunterkünften mit Lebensmitteln versorgt werden. Doch "die Versorgung dort ist offensichtlich mangelhaft oder nicht ausreichend", sagte Jochen Brühl, Vorsitzender des Bundesverbandes Deutsche Tafel e.V. im Interview mit DRadio Wissen. Denn von seinen Mitarbeitern vor Ort bekomme er die Rückmeldung, dass viele Flüchtlinge auch bei den Tafeln Hilfe suchen und nach Lebensmitteln fragen.

"Tafeln sind seit jeher Orte der Begegnungen für Menschen in Not - also auch für Flüchtlinge."
Jochen Brühl, Vorsitzender des Bundesverbandes Deutsche Tafel e.V.

In einigen Ausnahmefällen habe der zu große Andrang die ehrenamtlichen Tafel-Mitarbeiter auch überfordert - sodass Forderungen laut wurden, keine Lebensmittel mehr an Flüchtlinge auszugeben. Dazu stellte Jochen Brühl im Gespräch mit DRadio Wissen noch einmal klar: Wenn es Ausgabestopps geben muss, dann müssten diese für alle Bedürftigen gelten und nicht nur für eine bestimmte Gruppe: Jeder, der in einer Notsituation ist, könne die Hilfe der Tafel in Anspruch nehmen, sagte Jochen Brühl: "Wir wollen keine Armen gegen Arme ausspielen".

Tafeln unter Druck

"Die Flüchtlinge, die zu uns kommen, kommen auch, um mit anderen Menschen in Kontakt zu treten", erklärte Jochen Brühl weiter, "Tafeln haben auch eine wichtige integrative Aufgabe." Gleichzeitig zeigte er sich über die aktuell sehr starke Belastung der Tafeln besorgt und wies auf die Verantwortung der Politik hin, die Versorgung Bedürftiger sicherzustellen. Die Tafeln könnten nur das verteilen, was gespendet wird - die Zahl der Spender sei aber in den vergangenen Monaten nicht im gleichen Maß gestiegen wie die der Bedürftigen. Schon seit 20 Jahren geben die Tafeln in Deutschland Lebensmittel an Menschen in Not ab.