Wer vor Krieg und Verfolgung flieht und es bis nach Deutschland schafft, der hat ein Anrecht darauf, sich um Asyl zu bewerben. Das Ganze hat allerdings einen Haken: Es gibt keinen legalen Weg, um überhaupt bis hierher zu kommen.

Weil es keinen legalen Zugang zum Asylverfahren gibt, muss ein Flüchtling den Weg selber finden oder sich Schleppern anvertrauen. Das sagt der Rechtswissenschaftler und Asylexperte Peter Knösel.

"Wenn es eine gefolterte iranische Frau bis in die Türkei schafft und zur deutschen Botschaft kommt, dann wird sie hoffentlich ganz warm begrüßt, bekommt auch einen Tee. Aber wenn sie dann um ein Visum nachfragt, dann heißt es, Deutschland möchte keine Asylbewerber, Sie bekommen kein Visum."

Peter Knösel lehrt er an der Fachhochschule Potsdam. Promoviert hat er über Abschiebeverfahren. In seinem Vortrag erklärt er, wie unser Asylrecht eigentlich funktioniert und was die schlimmsten Hürden auf dem Weg zu einem Leben in Deutschland sind.

"Solange wir keinen legalen Zugang für Flüchtlinge haben, so lange nehmen wir Totschlag, Mord, Ausbeutung und Verfolgung in Kauf."

Marina Naprushkina ist Künstlerin und stammt aus Belarus. In Berlin hat sie 2013 die Initiative "Neue Nachbarschaft/Moabit" gegründet, die Flüchtlinge unterstützt. Über ihre Erfahrungen dort hat sie ein Buch geschrieben."Neue Heimat?" heißt es und ist im Europa-Verlag erschienen. In ihrem Vortrag erzählt sie von ihren Erlebnissen bei der Initiative, zum Beispiel wie sie eine hochschwangere Flüchtlingsfrau auf die Entbindungsstation der Charité begleitet. Ihr Kollege Udo Bockemühl liest Ausschnitte aus dem Buch.

Peter Knösels Vortrag heißt "Asylrecht und Integration". Marina Naprushkinas Vortrag hat den Titel "Neue Heimat? Wie Flüchtlinge uns zu besseren Nachbarn machen." Beide haben ihre Vorträge am 19. April 2016 am Einstein Forum in Potsdam gehalten, auf der Tagung "Einstein war Flüchtling".

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