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Die Abendnachrichten des 11. März 2011 beginnen mit einer Horrormeldung: Ein schweres Seebeben im Pazifik vor Japan hat riesige Flutwellen ausgelöst, die mit zerstörerischer Wucht auf die Ostküste des Inselstaates getroffen sind und schwerste Verwüstungen angerichtet haben. Auch das Atomkraftwerk Fukushima Nummer 1 rund 250 Kilometer nördlich von Tokio wird getroffen. Die Folge: eine Nuklearkatastrophe, die das Denken über Atomkraft in der ganzen Welt verändern sollte.

Die ersten Flutwellen erreichen die Küste Japans etwa 20 Minuten nach dem Beben – und sie sind gewaltiger als von den meteorologischen Behörden vorhergesagt. Einige Wellen erreichen 30 Meter Höhe, an manchen Stellen türmt sich das Wasser auf 40 Meter auf, das Wasser erreicht die Küste mit bis zu rund 800 Stundenkilometern.

Dieser Naturgewalt hält nichts stand. Hauswände, Autos, Bäume oder Schiffe werden einfach ins Land gespült und reißen mit, was ihnen im Weg steht. Die Wellen entwickeln auch an Land eine ungeheure Wucht und richten weit im Landesinneren schweren Schaden an.

Zigtausende Tote durch Erdbeben und Tsunami

Bis zu 20.000 Menschen überleben das Inferno nicht. Und die Wellen sorgen noch für eine weitere Katastrophe: Entlang der japanischen Pazifikküste stehen einige der damals rund 20 in Betrieb befindlichen Atomkraftwerke.

In der Nähe der Stadt Fukushima steht eine der ältesten Anlagen, gebaut 1970 direkt am Meer: Fukushima Daiichi (zu Deutsch: Fukushima Nummer 1). Die sechs Reaktorblöcke stehen hübsch aufgereiht nebeneinander und werden nun Ziel des herannahenden Tsunami. Um 15:27 Uhr trifft der Tsunami das Atomkraftwerk.

Zerstörung im Atomkraftwerk Fukushima Daiichi (10.06.2011)
© IMAGO / ZUMA Wire
Zerstörung im Atomkraftwerk Fukushima Daiichi (aufgenommen am 10.06.2011)

Der Betrieb wechselt auf Notstrom, damit die Kühlung der Brennstäbe gewährleistet ist. Aber auch die Notaggregate werden Opfer der Wassermassen und stellen ihre Tätigkeit ein. Der Reaktor ist ohne Strom und nicht mehr zu kontrollieren.

Kernschmelze im Atomkraftwerk Fukushima Nr. 1

Panik bricht aus. Die Techniker müssten ein Ventil manuell öffnen, damit die Brennstäbe auch bei Stromausfall gekühlt werden können. Sie kennen diesen Handgriff nicht und vergeben so die letzte Chance, das Schmelzen der Brennstäbe zu verhindern.

Es kommt in den Blöcken 1 und 3 zur sogenannten Kernschmelze. Die Techniker lassen Druck nach außen ab, das Kühlwasser ist durch die Brennstäbe aber kontaminiert: Ergebnis: Radioaktivität wird mit dem Kühlwasser in den Pazifik gespült.

Ihr hört in Eine Stunde History:

  • Der Deutschlandfunk-Umweltexperte Georg Ehring erläutert die Reaktionen in Deutschland und Europa auf die Katastrophe von Fukushima.
  • Der Berner Historiker Fabian Lüscher schildert die Risiko-Einschätzungen nach der Katastrophe von Tschernobyl 1986 und die daraus gezogenen Konsequenzen.
  • Michael Sailer vom Freiburger Öko-Institut schildert die Lage der deutschen Atomwirtschaft am Anfang ihres Endes.
  • Deutschlandfunk-Nova-Geschichtsexperte Matthias von Hellfeld schildert die Anfänge der Atomkraft in den beiden Teilen Deutschlands und listet einige der Unfälle auf, bei denen radioaktives Material freigesetzt wurde.
  • Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Wiebke Lehnhoff erinnert an das schwere Erdbeben vor der japanischen Küste, das einen Tsunami auslöste und das AKW Fukushima zerstörte.

Die Fotos im Artikelbild zeigen, wie der Tsunami am 11.03.2011 auf Lagerstätten für radioaktive Abfälle des Atomkraftwerks Fukushima Daiichi zurollt (links), sowie Rauch, der am 21.03.2011 vom Reaktor 3 des Atomkraftwerks aufsteigt (rechts).